Wiener Ausstellungen 2026: Belvedere setzt auf Künstlerinnen, Albertina feiert 250 Jahre

Wiens Museumsszene geht 2026 mit einem dicht getakteten Programm an den Start – und mit klaren Akzenten. Im Belvedere stehen in Stella Rolligs letztem Jahr als Generaldirektorin vor allem Künstlerinnen im Mittelpunkt. Das kündigte sie am Donnerstag bei der Programmpräsentation an.
Während im Oberen Belvedere vor Gustav Klimts „Kuss“ inzwischen Pariser Zustände herrschen – die Besucherzahl überschritt im Vorjahr erstmals die Zwei-Millionen-Marke –, finden die großen Sonderausstellungen weiterhin im Unteren Belvedere und im Belvedere 21 statt.
Im Unteren Belvedere reiht sich 2026 eine Serie großer Retrospektiven von Künstlerinnen aneinander: die Bauhaus-Textilkünstlerin Anni Albers, die jüdisch-polnische Surrealistin Erna Rosenstein und im September Erika Giovanna Klien. Klien, eine einstige Protagonistin der Wiener Kinetistinnen, emigrierte 1929 in die USA, ließ ihren Sohn, den späteren Pianisten Walter Klien, bei Pflegeeltern zurück, war dort unbekannt und unterrichtete.
Erst nach ihrem Tod 1957 setzte eine langsame Wiederentdeckung ein. Eine aktuelle Neubefragung ihrer Arbeit, wie sie ab September geplant ist, gilt als überfällig. Auch Ferdinand Georg Waldmüller wird im Unteren Belvedere gewürdigt: Ab Ende Februar rückt eine Schau seine Landschaftsmalerei im internationalen Vergleich ins Zentrum – vom intimen Baumporträt bis zur sehnsuchtsvollen Salzkammergut-Idylle.
Im Belvedere 21, traditionell das Experimentierfeld des Hauses, startet das Jahr Ende Jänner mit gespenstischen Figuren der norwegischen Künstlerin Sandra Mujinga, die kongolesche Wurzeln hat. Es folgen Personalen von Friedl Kubelka vom Gröller, Sue Williams und Miao Ying.
Im Herbst schließt ein feministischer Schwerpunkt an, der der legendären Ausstellung „Kunst mit Eigen-Sinn“ aus den 1980er-Jahren Reverenz erweist: Unter dem Titel „Feminist Futures Forever“ verabschiedet sich Rollig nach zehn Jahren im Belvedere.
In der Albertina beginnt 2026 das zweite Jahr unter Direktor Ralph Gleis – und zugleich ein Jubiläum: Vor 250 Jahren legte Albert von Sachsen-Teschen den Grundstein zur Sammlung, damals noch in Vertretung seiner Schwiegermutter, Kaiserin Maria Theresia, in Bratislava stationiert.
Anlässlich des Ehrenjahres wird auch der Anteil seiner Frau Marie-Christine betont: Die Festausstellung „Collecting for the Future“, die am 19. Juni eröffnet, hebt ihre Rolle bei der Entstehung der Sammlung hervor.
