Wiederkehrs Schulreform nach TV-Auftritt: neue Tests, längere Volksschule – viele Fragen offen
Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat am Sonntag in der ORF-„Pressestunde“ zentrale Bausteine seiner geplanten Schulreform umrissen – von neuen Prüfungen der Grundkompetenzen bis zu einer „Mittleren Reife“ am Ende der neunten Schulstufe. Der NEOS-Politiker stellte weitreichende Änderungen in Aussicht, ließ jedoch bei der Umsetzung und Abgrenzung zu bestehenden Instrumenten wesentliche Fragen offen.
Kern des Vorhabens sind neue Überprüfungen, die Grundkompetenzen feststellen sollen. Am Ende der Schulpflicht will Wiederkehr eine „Mittlere Reife“ einführen – allerdings, wie er betonte, nicht als einzelner „Test mit 15“. Bereits in den Jahren davor sollen zentrale Testungen zeigen, ob grundlegende Fähigkeiten fehlen.
„Wer sie nicht erreicht, wird länger die Schule besuchen müssen“, sagte der Minister. Worin der Unterschied zu Schularbeiten, Zeugnissen und dem bisherigen Sitzenbleiben liegen soll, konnte Wiederkehr in der Sendung nicht wirklich erklären. Auch bei der von ihm angeregten Verlängerung der Volksschule von vier auf sechs Jahre blieb vieles unklar.
Besonders die Frage, wie 50 Prozent mehr Volksschulkinder räumlich untergebracht werden sollen, wenn viele Schulen bereits an Kapazitätsgrenzen stoßen, ließ der Minister unbeantwortet. Parallel dazu verwies er darauf, dass die Lehrpläne für die Unterstufe gerade erneuert wurden und jene für die Oberstufe in Arbeit sind – trotz seiner gleichzeitig präsentierten Neuerungen.
Sein Verweis auf die Aktualität lautete: „Die Zeiten haben sich geändert.“ In seinem „Plan Zukunft“ schlägt Wiederkehr vor, Fächer zu bündeln. Zugleich bringt er neue, einstündige Pflichtfächer ins Spiel – darunter Wirtschafts- und Finanzbildung, Demokratie, Medienbildung sowie soziale Kompetenz – und denkt an Aufsplittungen bestehender Fächer.
Er beklagte, Staatsbürgerschaftskunde sei in Österreich historisch vernachlässigt worden. ORF-Journalist Christoph Varga widersprach: Inhalte der politischen Bildung würden im Fach Geschichte „selbstverständlich“ unterrichtet. Die Opposition reagierte scharf. Sigi Maurer, Bildungssprecherin der Grünen und stellvertretende Klubobfrau, warf Wiederkehr vor: „Wiederkehr ist gut im Ankündigen, aber schlecht im Umsetzen.
Die Dauerinszenierung hilft keinem Kind und keiner Lehrerin weiter, solange keines der Vorhaben auf den Boden gebracht wird.“ Der freiheitliche Bildungssprecher Hermann Brückl bilanzierte: „Was NEOS-Minister Wiederkehr heute als große Reform verkauft hat, ist in Wahrheit ein Frontalangriff auf unser bewährtes Schulsystem.
Er kapituliert vor den selbstgeschaffenen Problemen der Massenzuwanderung und wälzt die Verantwortung unter dem Titel ‚Autonomie‘ auf die ohnehin überlasteten Schulstandorte ab.“ Wie und wann die Vorschläge konkretisiert und mit bestehenden Strukturen verzahnt werden, blieb am Sonntag offen – ebenso die Frage, welche Ressourcen die Reformen an den Schulen erfordern würden.
