Vor Kinostart von «Der Teufel trägt Prada 2»: Ex-Assistentinnen schildern Anna Wintours strenge Regeln

Keine Jeans, keine Sneakers und keine Verzögerungen: Kurz vor dem Kinostart von «Der Teufel trägt Prada 2» rückt Anna Wintour erneut in den Fokus. Drei ehemalige Assistentinnen schildern einen Arbeitsalltag, der stark an die Filmfigur Miranda Priestly erinnert – jene Chefin, die Meryl Streep 2006 verkörperte und die für viele als kaum verhülltes Porträt Wintours gilt, auch wenn das nie offiziell bestätigt wurde.
Wintour, heute 76, führte die «Vogue» über Jahrzehnte mit klaren, oft kompromisslosen Regeln. In der 25. Etage des One World Trade Centers, wo das Magazin seinen Sitz hat, galt vor allem eines: Wintours Wort. Fehltritte hatten keinen Platz. Jeans waren für Assistentinnen tabu.
Der Arbeitstag begann früh – häufig zwischen vier und halb sechs Uhr morgens – und Wintour war gegen acht Uhr als Erste im Büro. Eine Assistentin sorgte für Kaffee und Frühstück; wer gebraucht wurde, musste sofort verfügbar sein. Schon die Bewerbung lief anders als üblich.
Schwarz kam schlecht an, standardisierte Antworten ebenso. Stattdessen stellte Wintour persönliche Fragen – austauschbare Kandidatinnen oder «Roboter» wollte sie nicht, berichten frühere Mitarbeitende. Entscheidungen traf sie schnell und ohne grosse Diskussionen.
Der Druck, ihren Erwartungen zu entsprechen, sei entsprechend hoch gewesen. Der Arbeitstag endete selten am Abend. Laut den Berichten arbeitete Wintour weiter und erwartete dasselbe vom Team. Texte, die abends eingereicht wurden, erhielten oft bis zum nächsten Morgen detailliertes Feedback.
«Wenn sie nach jemandem fragt, will sie diese Person sehr schnell sehen», sagte die ehemalige Assistentin Marley Marius im Podcast «The Runthrough with Vogue». Selbst der Dresscode war strikt: «In Annas Büro trägt jeder High Heels», erinnert sich Marius. Zugleich sei Flexibilität gefragt gewesen, weil im hektischen Alltag oft gerannt werden musste.
Flache Schuhe wurden als Kompromiss akzeptiert – «Hauptsache niemals in Sneakern», so eine ungeschriebene Regel. Wintour prägt die Modebranche seit den späten 1980er-Jahren. 2025 gab sie den Posten als Chefredakteurin ab, agiert jedoch weiterhin als Chief Content Officer und Global Editorial Director bei Condé Nast.
Parallel zur wachsenden Vorfreude auf die Fortsetzung nutzt sie die Aufmerksamkeit gezielt: Im März stand sie an der Seite von Hauptdarstellerin Anne Hathaway bei den Oscars auf der Bühne und ziert derzeit das Cover ihres eigenen Magazins. Das Branchenblatt «Variety» wertet dies als Beleg für ihren strategischen Instinkt.
«Der Teufel trägt Prada 2» startet am 29. April in den Schweizer Kinos – und die Parallelen zwischen Leinwandfigur und realer Ikone dürften die Diskussionen über Wintours Führungsstil weiter nähren.
