Vier Marathons in vier Tagen: Schüler (16, 15) laufen 180 km von Genf nach Solothurn für die Krebsliga

Vier Tage, vier Marathons: Für ihr Abschlussprojekt sind Elio (16) und Silas (15) von Genf nach Solothurn gelaufen – rund 180 Kilometer. Jeden Tag legten die beiden mindestens einen Marathon zurück und sammelten dabei 5000 Franken für die Krebsliga. „Das Ankommen in Solothurn war das krasseste Gefühl, das ich je hatte“, sagt Silas.
Der Auftakt sei noch der einfachste gewesen, ergänzt Elio: „Da hatte ich noch keinen Muskelkater.“ Ab dem dritten Tag spürten beide die Belastung deutlich. Fussprobleme, Blasen und Schmerzen machten das Weiterlaufen zunehmend schwer – dennoch brachten sie die Strecke in vier Tagen hinter sich.
Die Verpflegung wurde zur eigenen Herausforderung. Um den hohen Kalorienbedarf zu decken, setzten sie tagsüber auf Energygels – über die vier Tage hinweg rund 40 pro Person. „Die sind nicht besonders lecker, ab dem dritten Tag habe ich sie kaum mehr runtergebracht“, sagt Elio.
Zur Abwechslung griffen sie unterwegs zu Gummibärchen oder Zwieback aus Läden entlang der Route. Silas bekam die ungewohnte Ernährung zunächst schlecht: Nach 33 Kilometern am ersten Tag musste er wegen starker Bauchschmerzen abbrechen; am nächsten Tag ging es ihm wieder besser.
Die Strapazen führten zeitweise auch zu Spannungen zwischen den beiden. Rückblickend zeigt sich Elio selbstkritisch: Er sei wütend geworden, weil sein Partner langsam lief, und habe es einfach nur noch hinter sich bringen wollen. Übernachtet wurde im Zelt, das ihre Begleiter Otto (21) und Neo (15) im Begleitauto mitführten.
Die beiden wären im Notfall eingesprungen. „Ohne sie hätten wir es nie geschafft“, sagt Elio. Ihren Trainings- und Ernährungsplan erarbeiteten die Schüler im Vorfeld mithilfe von ChatGPT und besprachen ihn mit Otto, der auch ihr Fussballtrainer ist. Streng hielt sich das Duo jedoch nicht daran – an einem Abend gab es Döner oder Pizza, was Elio nach eigenen Worten gut verkraftete.
Aus medizinischer Sicht bleibt eine solche Belastung umstritten. „Es gibt einen berühmten Spruch: Der Marathon selbst ist nicht gesund, die Vorbereitung hingegen schon. Das würde ich genau so unterschreiben“, sagt Prof. Dr. med. Christian Schmied vom HerzGefässZentrum im Park und des Herzzentrums Klinik Hirslanden Zürich.
Besonders mehrtägige Belastungen auf hartem Untergrund seien für den Körper nicht ideal. Elio nimmt das gelassen: „Wir machen es ja nicht jeden Tag und ehrlich gesagt, ist mir das auch egal.“ Zur Absicherung hatten die Schüler gemeinsam mit ihrem Lehrer einen Notfallplan für verschiedene Szenarien erarbeitet – etwa bei Verletzungen oder Konflikten.
Am Ende steht für die beiden Neuntklässler ein abgeschlossenes Schulprojekt mit 180 Kilometern Laufstrecke und 5000 Franken Spenden für die Krebsliga – sowie die Erfahrung, an ihre Grenzen gegangen zu sein.
