Unsichtbarer Wettbewerb setzt den Schweizer Handel unter Druck
Ein paar Klicks, ein verlockender Preis, die Lieferung quasi selbstverständlich: Online-Shopping ist für viele zur Routine geworden. Hinter dieser Bequemlichkeit steckt jedoch ein stiller Preis, den der Schweizer Handel zunehmend spürt – nicht, weil E-Commerce per se ein Problem wäre, sondern weil ungleiche Bedingungen und die wachsende Macht ausländischer Plattformen das Gleichgewicht verschieben.
Die Zahlen sind deutlich. Der Schweizer Online-Handel hat sich in zehn Jahren verdoppelt und wird 2025 15.8 Milliarden Franken erreichen, ein Plus von 6 Prozent innert Jahresfrist. Davon entfallen 13 Milliarden auf Käufe bei Anbietern in der Schweiz, 2.8 Milliarden stammen aus direkten Bestellungen im Ausland.
Auf dem Papier wirkt das ausgewogen, doch die Dynamik ist eine andere: Geleitet von tiefen Preisen nehmen Auslandsbestellungen weiter zu – 2025 um 8 Prozent, nach einem Sprung um 18 Prozent im Jahr 2024. Schweizer Plattformen wachsen zugleich bescheidener, mit einer Zunahme von 6 Prozent.
Dieser Trend schlägt sich in der Stimmung im Markt nieder. Mehr als 60 Prozent der Schweizer Geschäfte stufen ihre Entwicklung als besorgniserregend oder sehr besorgniserregend ein. Gleichzeitig haben fast zwei Drittel der Schweizerinnen und Schweizer bereits auf ausländischen Plattformen bestellt, insbesondere auf chinesischen.
Neben der Verschiebung von Umsätzen verändert sich auch das Wesen des Handels. Der direkte Draht, der früher zwischen Lieferanten, Plattformen und Kundschaft bestand, wird dünner. Wer als kleines oder mittleres Unternehmen den Kontakt zu internationalen Marktplätzen sucht, stösst oft auf generische Adressen und standardisierte Antworten, die erst Tage später eintreffen – anonym, unpersönlich und ohne Möglichkeit zum Austausch.
Entscheidungen werden zunehmend von Algorithmen gesteuert; Bestellungen, die unplausibel erscheinen, sind auszuführen, andernfalls drohen Sanktionen in Form automatisch erhöhter Rabatte. Auch im Kundenservice bleibt der menschliche Kontakt vielfach aussen vor.
Zugleich klaffen in der Logistik die Kosten auseinander. Heute gibt ein Schweizer Händler im Durchschnitt 8.50 Franken aus, um ein Paket von 501 Gramm zu versenden. Gleichzeitig kann ein ausländischer Absender ein schwereres und grösseres Paket zu deutlich geringeren Kosten verschicken.
Das Paradox: Mitunter ist es günstiger, ein Produkt vom anderen Ende der Welt zu importieren, als es aus der Nachbarstrasse zu versenden. So wächst in einem Markt, der von Klicks und Geschwindigkeit geprägt ist, der Druck auf die hiesigen Anbieter.
Die Kombination aus rasant steigenden Auslandsbestellungen, automatisierten Entscheidungswegen und ungleichen Versandkonditionen stellt den Schweizer Handel vor die Frage, wie er unter veränderten Konsumgewohnheiten und ungleichen Rahmenbedingungen bestehen kann.
