Umfrage: 54 Prozent der Frauen für SVP-Initiative – auf der Strasse ist die Zurückhaltung gross

Eine aktuelle Umfrage sieht eine Frauenmehrheit hinter der SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz»: 54 Prozent der befragten Frauen würden demnach ein Ja einlegen. Derzeit liegt die Zustimmung unter Frauen damit höher als unter Männern. Im Bundeshaus löste das Reaktionen aus – 53 Nationalrätinnen versammelten sich zu einer Fotoaktion gegen die Vorlage.
Auf der Strasse zeigt sich das Bild weniger eindeutig: Viele Frauen sagen, sie wüssten noch nicht, wie sie abstimmen wollen. In spontanen Gesprächen erklärten zahlreiche Passantinnen, sie hätten sich mit der Vorlage noch zu wenig auseinandergesetzt oder empfänden das Thema Zuwanderung als heikel.
Offen äusserten sich Melissa (34) aus dem Kanton Zug und Sandy (56) aus Zürich. Beide spüren das Bevölkerungswachstum im Alltag, etwa in vollen Zügen oder im Stau – und beide zeigten sich überrascht über die Umfragewerte. Melissa, die im Gesundheitswesen arbeitet, versteht das Anliegen der Initiative, sieht aber «viele Risiken»: Ihre Branche sei stark auf Personal aus den Nachbarländern angewiesen.
Sandy findet es schwierig, eine fixe Zahl festzulegen, und stört sich daran, dass die Debatte «zu stark auf Ausländer fokussiert» sei; mit ihren eigenen ausländischen Wurzeln sei das für sie besonders sensibel. Auch Katharina (25) aus Zürich beschreibt volle Züge, relativiert aber: Im Vergleich zu Berlin, wo sie ein halbes Jahr lebte, sei es «noch erträglich».
Sie befürwortet grundsätzlich eine Begrenzung der Zuwanderung, betont jedoch, dass etwa die Pflege auf ausländische Fachkräfte angewiesen sei. Die Initiative sei für sie «nicht die richtige Lösung», es brauche aber eine Lösung. Die höhere Zustimmung von Frauen führt sie auf Sicherheitsängste zurück.
In letzter Zeit höre man häufiger von Gewalt gegen Frauen, und es werde zu wenig kontrolliert, wer ins Land komme. Zugleich warnt sie vor pauschalen Urteilen. Selinda (24) und Andrea (45) aus dem Kanton Bern nennen Sicherheit ebenfalls als möglichen Grund für Zustimmung.
Allein unterwegs zu sein, sei als Frau unangenehmer geworden, sagt Selinda; mit Kindern wachse die Sorge zusätzlich, ergänzt Andrea. Aus Genf berichten Tina (68) und Angelina (67), dass «es zu viele Menschen» gebe. Tina will Ja stimmen und sagt, ihre Kinder fänden in Genf keine Arbeit, weil Grenzgänger Stellen besetzten.
Mindestens Kaderpositionen sollten aus ihrer Sicht Schweizerinnen und Schweizern vorbehalten sein. Die Zustimmung von Frauen erklärt sie mit gestiegener politischer Beteiligung – gleichzeitig bezweifelt sie, dass die Initiative am Ende angenommen wird. Klar positioniert sich Rahel (33): Sie ist gegen die Vorlage, weil sie von der SVP lanciert wurde.
Sie räumt ein, dass die hohe Bevölkerungszahl sie im Alltag manchmal nerve, kritisiert aber, am Ende treffe es «wieder die Schwächsten». Ihre Mutter, die aus Deutschland stammt, sei hingegen für die Initiative. Die Gespräche zeigen: Zwischen dem Wunsch nach mehr Kontrolle und dem Bewusstsein für den Fachkräftemangel verlaufen die Trennlinien mitten durch den Alltag vieler Frauen.
Während eine Umfrage aktuell eine Mehrheit weiblicher Stimmen für die Initiative ausweist, sind auf der Strasse viele noch unentschlossen – und die Diskussion bleibt von Sicherheitsfragen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten geprägt.
