Trump in der Defensive: Empörung über KI-Jesus-Bild und Angriffe auf Papst Leo XIV

US-Präsident Donald Trump steht nach scharfen Attacken auf Papst Leo XIV. und der Veröffentlichung eines KI-Bildes, das ihn wie Jesus inszeniert, unter wachsendem Druck. Die Empörung kommt nicht nur von politischen Gegnern, sondern auch aus dem eigenen Lager: Religiöse Gruppen in den USA sowie Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äußerten Kritik.
Auslöser war ein gemäldeähnliches KI-Motiv, das Trump in weißem Gewand mit einer scheinbar heilenden Hand über dem Kopf eines liegenden Mannes zeigt. Das Bild war am Sonntag auf Trumps Plattform Truth Social veröffentlicht und am Montag wieder gelöscht worden.
Zuvor hatte Trump den aus Chicago stammenden Papst dort als „schwach“ in der Kriminalitätsbekämpfung und „schrecklich“ in der Außenpolitik bezeichnet und hinzugefügt: „Leo sollte sich als Papst zusammenreißen.“ Später sagte er vor Journalistinnen und Journalisten, er halte nicht viel vom Papst.
In den USA kam die schärfste Kritik an dem KI-Bild teils aus Trumps eigenem Umfeld. Brilyn Hollyhand, früherer Kovorsitzender des Jugendbeirats der Republikanischen Partei, sprach auf X von „schwerer Gotteslästerung“ und warnte, der Glaube sei „keine Requisite“.
Trump wies die Deutung zurück, er werde als Jesus dargestellt, und nannte dies „Fake News“. Das Bild solle ihn als Arzt zeigen, der Menschen helfe, sagte er vor dem Weißen Haus. Laut New York Times markiert das Löschen des Posts einen seltenen Rückzug; eine Entschuldigung gab es nicht.
Trump erklärte, das Motiv habe Menschen „verwirrt“, und er wolle niemanden verwirren. Rund ein halbes Jahr vor den Midterm-Wahlen ist Trump bereits wegen der hohen Inflation und des Iran-Krieges unter Druck. Ob der Konflikt mit Rom Folgen für die im November anstehenden Kongresswahlen haben wird, bleibt ungewiss.
Christen stellen einen wichtigen Teil von Trumps MAGA-Bewegung: Der Großteil sind Evangelikale, es gibt aber auch – zahlenmäßig deutlich weniger – Katholikinnen und Katholiken. Sie trugen maßgeblich zu seinem Wahlsieg 2024 bei. David Gibson vom Zentrum für Religion und Kultur der Fordham University sagte, Trumps Motivation für den Angriff auf Leo XIV.
und die Veröffentlichung des Bildes sei schwer nachzuvollziehen. Es sei offen, ob sich US-Katholikinnen und -Katholiken nun gegen ihn wenden. „Das ist eine Zäsur. Werden sich die Katholiken in Amerika für den Papst oder den Präsidenten entscheiden?“ Mindestens acht Mitglieder von Trumps Kabinett sind katholisch, darunter Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio.
Vance, der Papst Franziskus unmittelbar vor dessen Tod besucht hatte, stellte sich umgehend auf Trumps Seite und riet Papst Leo, sich auf „moralische Angelegenheiten“ zu konzentrieren. Fragen von Krieg und Frieden zählt Vance offenbar nicht dazu. Der für seine bedachte Wortwahl bekannte Papst hat sich als entschiedener Kritiker des Ende Februar von den USA und Israel begonnenen Iran-Krieges positioniert.
Trumps Drohung, die iranische Zivilisation zu zerstören, nannte er inakzeptabel. Zudem forderte er, die Behandlung von Migrantinnen und Migranten in den USA zu überdenken. Am Montag bekräftigte das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken seine Haltung: „Ich werde mich weiter lautstark gegen den Krieg aussprechen“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters auf einem Flug nach Algier zum Auftakt einer Afrikareise.
Er wolle den Frieden fördern sowie den Dialog und die Beziehungen zwischen Staaten voranbringen, um nach gerechten Lösungen zu suchen. Ob und wie der Streit zwischen Washington und Rom die politische Dynamik in den USA verändert, bleibt offen. Klar ist vorerst nur: Trump sucht die Deutungshoheit – und der Papst hält Kurs.
