Tempo 70 an Kreuzungen, 80 auf schmalen Strecken: Bund und Länder beraten über Landstraßen-Regeln

Das Tempolimit ist zurück auf der politischen Agenda – diesmal nicht auf der Autobahn, sondern auf der Landstraße. Am 14. April beraten Bund und Länder bei der Nationalen Verkehrssicherheitskonferenz in Berlin über neue Geschwindigkeitsregeln. Statt eines pauschalen 80er-Limits sollen die Vorgaben stärker an die örtliche Situation angepasst werden: An Kreuzungen und Einmündungen, typischen Unfallschwerpunkten, steht Tempo 70 im Raum.
Auf schmalen Landstraßen mit bis zu sechs Metern Fahrbahnbreite wird Tempo 80 vorgeschlagen, gut ausgebaute Abschnitte könnten weiterhin mit Tempo 100 befahren werden. Der Handlungsdruck ist hoch: Knapp 60 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle ereignen sich außerhalb geschlossener Ortschaften.
2021 starben 2.562 Menschen im Straßenverkehr, 2024 waren es 2.770 und 2025 stieg die Zahl auf 2.814. Damit gelten Landstraßen als besonders gefährlich.
Fahrzeugsicherheitsexperte Rodolfo Schöneburg erklärte dem WDR, warum gerade enge Strecken riskant sind: Fehlt die Mittellinie, begegnen sich Fahrzeuge bei teils hoher Geschwindigkeit ohne klare Trennung; bei Überholmanövern oder kurzer Unaufmerksamkeit kann es schnell zu fatalen Kollisionen kommen.
Neben der Verkehrssicherheit führen Verbände auch Klima- und Kostenvorteile ins Feld. Laut Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe würde ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h außerorts jährlich bis zu 11,7 Millionen Tonnen CO2 einsparen.
Greenpeace beziffert die finanziellen Entlastungen für Autofahrende auf bis zu 9,5 Milliarden Euro pro Jahr – das entspräche einer Ersparnis von bis zu 240 Euro jährlich für eine Familie mit Benziner oder Diesel.
Ein Bündnis aus Umweltverbänden, dem Verkehrsclub Deutschland, der Gewerkschaft der Polizei und der Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland unterstützt die Initiative der Deutschen Umwelthilfe und fordert die Verkehrsministerkonferenz auf, konkrete Beschlüsse zu fassen.
Kritiker, darunter der Verband der Automobilindustrie, sehen in einem Tempolimit hingegen eine Einschränkung der individuellen Freiheit und befürchten längere Fahrtzeiten sowie erhöhten Stress bei Autofahrern. Zudem bleibe offen, ob ein allgemeines Tempolimit tatsächlich messbar weniger schwere Unfälle zur Folge hätte.
Wie weit die Vorschläge am Ende tragen, soll bei den Beratungen am 14. April erörtert werden – die Debatte bleibt umstritten.
