Swiss-Chef zu Kerosinengpässen: Buchungen für sechs Wochen gesichert – Tankering und Zwischenstopps in Planung

Die Swiss bereitet sich auf mögliche Engpässe beim Flugtreibstoff vor. CEO Jens Fehlinger sagt, die Airline könne ihren Kundinnen und Kunden zusichern, dass Buchungen für die nächsten sechs Wochen gesichert seien. Für diesen Zeitraum wisse man zu 100 Prozent, wie viel Kerosin eintreffe.
Zugleich arbeitet die Fluggesellschaft an Notfallplänen, sollte sich die Lage zuspitzen. Die Branche durchlebt turbulente Wochen: Laut Fehlinger hat sich der Kerosinpreis infolge des Iran-Kriegs verdoppelt. Zudem wirken die Folgen wochenlang gesperrter Lufträume an wichtigen Drehkreuzen wie Dubai oder Katar noch nach.
Intern befindet sich die Swiss auf Sparkurs. Auf Anordnung des Mutterkonzerns Lufthansa wurde der Basistarif mit kostenlosem Handgepäck durch ein Angebot ersetzt, bei dem Passagiere für den Handgepäckkoffer extra bezahlen. Fehlinger steht seit 2024 an der Spitze der Airline.
Mit Blick auf die Versorgungslage betonte der CEO, eine akute Knappheit würde sich voraussichtlich zuerst in Afrika und Asien bemerkbar machen. Er riet, auch Reisen zu späteren Zeitpunkten frühzeitig zu buchen, um sich aktuelle Preise zu sichern. Für besonders ernste Szenarien erarbeitet Swiss gemeinsam mit dem Mutterkonzern mehrere Maßnahmen.
Dazu zählt das sogenannte Tankering: Flugzeuge würden an Flughäfen mit ausreichender Versorgung vollbetankt und beim Rückflug so viel Treibstoff wie möglich an die Schweizer Flughäfen bringen. Dafür bräuchte es nach Fehlingers Angaben einen politischen Vorstoß, weil diese Praxis derzeit aus regulatorischen Gründen untersagt ist.
Als weitere Option nennt der CEO Zwischenstopps an Orten mit gesicherter Versorgung. Ein Beispiel ist Wien: Eine Maschine könnte mit wenig Treibstoff in Zürich starten und in der österreichischen Hauptstadt, die über eine Raffinerie verfügt, vollbetankt werden.
Aktuell gebe es keine Anzeichen, dass dies nötig werde, die Swiss bereite sich jedoch darauf vor. Ein Zwischenstopp sei für Kundinnen und Kunden das kleinere Übel im Vergleich zu Flugstreichungen. Parallel zur Krisenvorsorge treibt die Swiss Kostensenkungen voran.
Neben der Abschaffung des Duty-Free-Verkaufs an Bord hat die Airline einen neuen günstigsten Tarif ohne kostenlosen Handgepäck-Koffer eingeführt. Fehlinger bezeichnet dies als Erweiterung des Angebots, auch wenn damit ein bisheriges Unterscheidungsmerkmal gegenüber Billigkonkurrenten entfällt.
Auch beim Personal setzt Swiss auf finanzielle Anreize. Bis vor kurzem bot die Airline für Kündigungen Prämien von bis zu 15’000 Franken an. Künftig sollen Stellenprozente freiwillig reduziert werden: Wer unbezahlte Ferien nimmt, erhält 20 Prozent des Basissalärs.
Den Vorwurf, mit den Einsparungen andere Gesellschaften der Lufthansa Group zu quersubventionieren, weist Fehlinger zurück.
