Super League erwägt Playoffs – Schweizer Medien urteilen von «genial» bis «fatal»
Die Schweizer Super League könnte ihr Gesicht grundlegend verändern: Der Meister soll nach einem Vorschlag der Liga künftig in Playoffs ermittelt werden. Die Abstimmung ist für den 20. Mai angekündigt – und die Debatte läuft heiss. Die Spannweite der Reaktionen in den Kommentarspalten reicht von «mutig und innovativ» bis «fataler Fehler».
Michael Wegmann nennt den Plan «mutig, innovativ und riskant zugleich». Ein perfekter Modus existiere ohnehin nicht, argumentiert er, doch der neue Vorschlag sei «ungleich attraktiver». Fairer werde er allerdings nicht – die aktuelle Regel, wonach jeder viermal gegen jeden spielt, sei in dieser Hinsicht kaum zu überbieten.
Der Blick hält dagegen und findet den Ansatz nicht unfair: Wer sich in drei Playoff-Duellen durchsetze, habe den Titel verdient. Der Tenor dort: Jetzt brauche es Mut zum Risiko.
Florian Raz ordnet den Vorstoss historisch ein: Seit der Einführung der Zehner-Liga 2003 habe der Schweizer Fussball seine erfolgreichste Zeit erlebt – mit regelmässigen Champions-League-Teilnahmen, einer Nationalmannschaft, die seit 2004 nur ein Grossereignis verpasst habe, und für ein kleines Land hohen Super-League-Zuschauerzahlen.
In jüngerer Zeit hätten jedoch ausländische Investoren bei GC, Lausanne und Lugano die Kräfteverhältnisse verschoben und den Platz in der Liga enger gemacht. Klubs wie der FC Luzern fürchteten im Abstiegsfall um ihre Existenz und stünden einer vergrösserten Liga offener gegenüber.
Bis zur Entscheidung dürften die Diskussionen anhalten. Streitthemen sind nach Einschätzung mehrerer Kommentatoren die Playoff-Idee selbst, die künftige Verteilung der TV-Gelder unter mehr Klubs und potenzielle Mindereinnahmen bei Heimspielen. FCZ-Präsident Ancillo Canepa lehnt die Einführung einer Playoff-Phase «strikt» ab.
Auch bei YB kommt Widerstand, die Berner sind damit derzeit aber in der Minderheit. Peter B. Birrer und Benjamin Steffen verweisen darauf, dass zuweilen fast die gesamte Liga im Abstiegskampf stecke – spannend für Aussenstehende, beunruhigend für jene, die am Ende «die Rechnung bezahlen».
Die NZZ mahnt grundsätzlich: Der neue Vorschlag werde kaum die perfekte Lösung sein. Die Frage sei, ob und für wen die Albträume seltener würden; ausbleiben würden sie nicht. Auf der Befürworterseite schwärmt François Schmid-Bechtel vom Versprechen «Spannung ohne Ende» und spricht von einem «genialen Wurf».
Er prognostiziert, die anstehende «Fussball-Revolution» werde keine Verlierer produzieren: Der Modus sei modern, dynamisch und biete Verlierern eine zweite Chance, während Sieger nie ruhig schlafen könnten. Um den Qualifikationssieger zu belohnen, bringt er eine Modifikation ins Spiel: Ein Final über drei Siege, bei dem das beste Team der Regular Season mit einem Sieg Vorsprung startet.
Ralf Meile betont den Unterhaltungswert: Profisport sei heute mehr denn je Teil der Entertainmentindustrie, Playoffs könnten als Quoten-Garant dienen – der Versuch sei zumindest einen Test wert. Am anderen Ende der Skala warnt Philipp Reich vor einem «fatalen Fehler»: Playoffs könnten im schlimmsten Fall die wahren Stärkeverhältnisse komplett auf den Kopf stellen.
Wie die Liga sich entscheidet, ist offen. Klar ist: Das Thema berührt Grundfragen zwischen sportlicher Fairness, Planbarkeit der Einnahmen und dem Drang nach mehr Spannung. Die Abstimmung am 20. Mai wird bestimmen, ob die Super League den Schritt in Richtung Playoffs tatsächlich wagt.
