Stromausfall im AKW Saporischschja: 90 Minuten Notstrom – IAEA kündigt Untersuchung eines Drohnenvorfalls an

Im ukrainischen Kernkraftwerk Saporischschja ist es gestern zu einem Stromausfall gekommen. Laut dem staatlichen Energieerzeuger Enerhoatom wurde die Stromleitung Ferospalna 1 abgeschaltet. Eineinhalb Stunden lang wurde die Anlage daraufhin von 19 Notstromdieselgeneratoren versorgt.
Enerhoatom betonte, dass dies bereits der 15. Stromausfall im AKW seit der Besetzung durch russische Truppen sei. Jeder Vorfall erhöhe die Risiken für die nukleare Sicherheit und den Strahlenschutz nicht nur für die Ukraine, sondern auch für Europa erheblich, erklärte das Unternehmen.
Die aktuelle Lage zeige aus Sicht von Enerhoatom die dringende Notwendigkeit, das Kraftwerk wieder unter die volle Kontrolle der Ukraine und seines rechtmäßigen Betreibers zu bringen, was aus Unternehmenssicht die einzige Garantie für den sicheren Betrieb der größten Kernkraftanlage Europas sei.
Unterdessen meldete die von Russland installierte Verwaltung des Atomkraftwerks, dass bei einem ukrainischen Drohnenangriff ein Mitarbeiter getötet worden sei. Demnach traf eine Drohne die Transportabteilung der Anlage; ein Fahrer sei ums Leben gekommen. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) kündigte an, ihr Team vor Ort untersuche den Vorfall.
Angriffe auf oder in der Nähe von Atomkraftwerken gefährdeten die nukleare Sicherheit und dürften nicht stattfinden, erklärte IAEA-Chef Rafael Grossi im Onlinedienst X. Mit sechs Reaktoren ist Saporischschja das größte Kernkraftwerk Europas. Es ist seit den ersten Kriegswochen im Jahr 2022 von russischen Truppen besetzt.
Die IAEA will die Lage weiter beobachten und den gemeldeten Vorfall prüfen.
