Stiftung Warentest: Am Schalter fehlen oft Prüfungen bei Papierüberweisungen

Papierüberweisungen erleben in Deutschland ein erstaunliches Comeback – und bergen laut Stiftung Warentest ein unterschätztes Risiko. Obwohl seit dem vergangenen Oktober in der EU neue Regeln für den Abgleich von IBAN und Empfängername gelten, wurden Papieraufträge am Schalter in Tests häufig ohne die vorgeschriebene Prüfung ausgeführt.
Die Verbraucherschützer schickten Testpersonen in Filialen von sechs Instituten: BBBank, Berliner Sparkasse, Commerzbank, Deutsche Bank, Postbank und Santander. Auf den Überweisungsformularen waren sowohl Name als auch IBAN echt – jedoch absichtlich nicht passend zueinander.
Laut Stiftung Warentest führten Bankmitarbeitende in keinem der Fälle die geforderte Empfängerüberprüfung durch. Alle vollständig ausgefüllten Aufträge wurden ausgeführt, das Geld landete jeweils auf dem Konto, das zur angegebenen IBAN gehörte – ungeachtet des abweichenden Empfängernamens.
Damit bleiben Zahlendreher oder gezielte Manipulationen bei Papierüberweisungen am Schalter unentdeckt, während im Onlinebanking seit einigen Monaten ein Hinweis erscheint, wenn Name und IBAN nicht zusammenpassen. Das Ergebnis ist brisant, denn die klassische Überweisung ist keineswegs ein Nischenprodukt: Allein im ersten Halbjahr 2025 nahmen Banken rund 275 Millionen Papierüberweisungen entgegen – etwa 1,5 Millionen pro Tag.
Hintergrund sind EU-Vorgaben, die seit dem vergangenen Oktober für alle Überweisungen gelten, unabhängig davon, ob sie online oder am Schalter beauftragt werden. Banken müssen prüfen, ob IBAN und Empfängername übereinstimmen. Eine Ausnahme besteht nur, wenn Kundinnen und Kunden ihre Formulare in den Filialbriefkasten einwerfen; dann ist kein Abgleich vorgeschrieben.
Die Regelung soll Fehler bereits vor dem Absenden aufdecken und Betrugsversuche erschweren – etwa beim sogenannten Rechnungsbetrug, bei dem Kriminelle die Kontonummer auf echten Rechnungen austauschen. Verbraucherhinweis der Tester: Wer Papierüberweisungen nutzt, sollte Empfängerdaten besonders sorgfältig prüfen – vor allem die IBAN.
Beim Onlinebanking zeigen viele Institute inzwischen eine Ampellogik an: große Abweichungen (rot), geringe Abweichungen (gelb) oder keine Abweichungen (grün). Nur im grünen Fall haftet die Bank, falls das Geld, etwa wegen einer technischen Panne, dennoch auf einem falschen Konto landet.
Die Untersuchung legt nahe, dass der Abgleich am Schalter nicht überall verlässlich umgesetzt wird – und dass sich das vermeintlich sicherere Gefühl bei der Abgabe in der Filiale als trügerisch erweisen kann. Für Kundinnen und Kunden bleibt vorerst vor allem eines wichtig: sorgfältig kontrollieren, bevor das Geld auf die Reise geht.
