Startup-Finanzierungen in der Schweiz 2024 erneut rückläufig – ICT und Fintech gehen stark zurück
Die Investitionen in Schweizer Jungunternehmen sind 2024 zum zweiten Mal in Folge gesunken. Insgesamt flossen noch 2,4 Milliarden Franken – gut 8% weniger als im Vorjahr. Erstmals war auch die Zahl der Finanzierungsrunden rückläufig: Sie fiel von knapp 400 auf 357.
Das zeigt der Swiss Venture Capital Report (SVCR), der vom Online-Portal Startupticker.ch und der Branchenvereinigung Seca in Kooperation mit Startup.ch veröffentlicht wurde. Der Rückgang fiel damit weniger heftig aus als 2023, als die Investitionen um mehr als ein Drittel eingebrochen waren.
„Den Rückgang kann man als dynamische Stagnation bezeichnen, denn unter der Oberfläche läuft viel“, sagte Stefan Kyora, der Leiter von Startupticker.ch, bei der Präsentation des Reports. Auffällig ist zugleich die Struktur der Deals: Bei der Hälfte aller Runden steuerten Investoren drei Millionen Franken oder mehr bei – ein Zuwachs um über 40% gegenüber 2023.
Grosse Tickets blieben jedoch die Ausnahme: Es gab nur eine Finanzierungsrunde im dreistelligen Millionenbereich. Nach Branchen betrachtet verzeichneten insbesondere ICT und Fintech nach dem Rekordjahr 2022 erneut starke Rückgänge. Fintechs lagen 31% unter Vorjahr, ICT-Startups 19%.
Zusammen kamen beide Sektoren noch auf knapp 521 Millionen Franken – etwa ein Viertel der Summe von 2022, als in der Schweiz mehr als 2 Milliarden Franken in diese Bereiche geflossen waren. „Der Hype um KI, der in anderen Märkten zu beobachten ist, ist noch nicht in die Schweiz durchgedrungen“, hält der Report fest.
Robuster präsentierten sich Mikro- und Nanotechnologie, und der Bereich Healthcare IT machte den Rückgang aus dem Vorjahr wett. Am besten lief es für die Biotech-Branche: Sie zog 2024 rund 50% mehr Kapital an als 2023. Regional zeigen sich deutliche Unterschiede.
In Zürich und Zug wurden klar weniger Mittel investiert als im Jahr davor, während Genf und der Kanton Waadt deutlich zulegten. Bern erreichte sogar einen Allzeitrekord bei der Finanzierung von Jungunternehmen. Zürich bleibt trotz des Rückgangs der investierten Summe an der Spitze.
„Die Diversität innerhalb der Kantone steigt“, sagte dazu Thomas Heimann, Startup-Verantwortlicher der Seca. Beim Exit-Geschehen blieb das Tempo konstant: Gut 30 Startups wurden von Gründern und Investoren ins Ausland verkauft, 11 wechselten im Inland den Besitzer.
Der SVCR zeichnet damit ein Bild eines Marktes, der nach zwei fetten Jahren weiter konsolidiert – mit Verschiebungen zwischen Branchen und Regionen, aber anhaltender Aktivität unter der Oberfläche.
