Simile erhält 100 Millionen US-Dollar für KI-gestützte Verhaltensprognosen

Mit 100 Millionen US-Dollar frischem Kapital will das US-KI-Startup Simile seine Technologie zur Vorhersage menschlichen Verhaltens vorantreiben. Das Unternehmen entwickelt ein System, mit dem Firmen Kaufentscheidungen oder mögliche Fragen in Analystenkonferenzen abschätzen können, berichtet Bloomberg.
Die Finanzierungsrunde, deren Bekanntgabe für Donnerstag, den 13. Februar, angekündigt ist, wurde vom Wagniskapitalgeber Index Ventures angeführt. Zu den weiteren Investoren zählen Bain Capital Ventures, A* und Hanabi Capital; auch die KI-Expertinnen und -Experten Fei-Fei Li und Andrej Karpathy beteiligten sich.
Angaben zur Bewertung des Unternehmens wurden nicht gemacht. Nach eigenen Angaben stellte Simile sein Projekt nach sieben Monaten Entwicklungsarbeit am proprietären Modell vor. Trainiert wurde es auf der Basis von Hunderten Interviews mit realen Personen über Lebensumstände und Entscheidungsprozesse, ergänzt um historische Transaktionsdaten sowie wissenschaftliche Studien zu Experimenten der Verhaltensökonomie.
Das System soll typische Handlungsmuster erkennen und Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Entscheidungen berechnen. Der Ansatz setzt auf Simulationen mit KI-Agenten, die Präferenzen und Verhaltensprofile realer Menschen abbilden – als Alternative zu klassischen Marktforschungsmethoden wie Fokusgruppen.
Zu den Testkunden zählt die US-Apothekenkette CVS Health. Sie nutzt die Technologie, um Warenbestände zu planen und die Platzierung von Produkten in ihren Filialen zu optimieren. Auch in der Kapitalmarktkommunikation soll die Lösung zum Einsatz kommen: Simile analysiert frühere Auftritte des Managements und veröffentlichte Berichte, um potenzielle Fragen von Analysten bei Ergebnispräsentationen abzuschätzen.
Zudem soll das System helfen, mögliche Marktreaktionen auf Unternehmensmitteilungen einzuschätzen, indem es auf Basis historischer Daten Muster identifiziert, die Rückschlüsse auf das Verhalten von Investoren erlauben. Die Entwicklung unterstreicht den wachsenden Stellenwert datengetriebener Verhaltensanalysen in Wirtschaft und Kapitalmarktkommunikation.
Auch für deutsche Handelskonzerne und börsennotierte Unternehmen könnten vergleichbare KI-Anwendungen an Bedeutung gewinnen – etwa bei der Sortimentsplanung oder der Vorbereitung von Investorenkonferenzen. Zugleich dürften Fragen zu Datenschutz, Transparenz und regulatorischen Rahmenbedingungen hierzulande stärker in den Fokus rücken.
