Sechs Weltraummissionen 2026: Hier ist die Schweiz dabei
Von der Asteroidenabwehr über die Suche nach neuen Welten bis zur europäischen Träger-Unabhängigkeit: 2026 steht für die Raumfahrt ein dichtes Jahr bevor – und die Schweiz ist bei gleich sechs wichtigen Programmen an Bord. Im November soll die Esa-Mission «Hera» ihr Ziel erreichen: den Asteroiden Dimorphos.
Die Nasa hatte dort vor drei Jahren mit der Dart-Sonde gezielt einen Einschlag ausgelöst, um den Brocken minimal von seiner Bahn abzulenken. «Hera» soll nun die Folgen dieses Tests präzise vermessen. An der Mission ist die Universität Bern beteiligt. Ebenfalls im November 2026 wird nach acht Jahren Flug die Sonde BepiColombo in die Umlaufbahn des Merkurs einschwenken.
Danach beginnt die wissenschaftliche Hauptphase der nach dem italienischen Mathematiker und Ingenieur Giuseppe «Bepi» Colombo benannten Mission. Sie soll helfen, die Ursprünge unseres Sonnensystems besser zu verstehen. An Bord des Orbiters sind unter Berner Leitung das Massenspektrometer «Strofio» sowie der Laser-Höhenmesser «Bela».
Die Planetenjagd-Mission «Plato» der Esa befindet sich in der Schlussphase vor dem Start. Das Weltraumteleskop soll Ende 2026 mit einer Ariane-Rakete ins All fliegen. Die Universitäten Genf und Bern spielen dabei eine Schlüsselrolle. «Plato» soll Exoplaneten in fernen Sonnensystemen aufspüren und deren Eigenschaften erforschen.
Die Esa hat 2025 ihre Raumsonde Gaia nach über einem Jahrzehnt im All abgeschaltet. In dieser Zeit entstand ein einzigartiger Datenschatz zur Struktur und Entwicklung der Milchstrasse. Im Dezember 2026 ist die erste vollständige Veröffentlichung dieses Datensatzes geplant – mehr als 500 Terabyte.
Nach Angaben der Esa ist dies «ein Meilenstein in der Astronomie». An Mission und Datenauswertung sind zahlreiche Einrichtungen beteiligt, darunter die Universität Genf. Zwischen dem 8. April und dem 7. Mai soll «Smile» starten, eine gemeinsame Mission der Esa und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS).
Sie untersucht die magnetische Umgebung der Erde und die Kopplung von Sonne und Erde, etwa beim Sonnenwind. Schweizer Beteiligung kommt vom Unternehmen Koegl Space, das zusammen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) eine Komponente für den «Soft X-ray Imager (SXI)» beigesteuert hat.
Auch Europas Trägerrakete Ariane 6 steht 2026 im Fokus: Im ersten Quartal soll sie erstmals mit vier statt zwei Boostern abheben, um eine Breitbandkonstellation von Amazon ins All zu bringen. Die seitlich angebrachten Booster liefern zusätzlichen Schub – nötig für schwerere Lasten oder höhere Umlaufbahnen.
Nach Esa-Angaben ist dies ein weiterer Schritt in Richtung Unabhängigkeit von privaten Anbietern oder anderen Ländern. Insgesamt will die Esa die Startfrequenz der 2024 erstmals gestarteten Ariane 6 im kommenden Jahr erhöhen.
Zusammen zeigen die Missionen die Breite der Schweizer Beteiligung – von Hochschulen bis zur Industrie – und markieren 2026 als Jahr, in dem Europa wissenschaftlich wie technologisch im All wichtige Etappen ansteuert.
