Schweizer Corona-Lage: Fallzahlen und R sinken langsamer – Varianten breiten sich weiter aus
Die Schweiz ist seit Montag erneut im Lockdown – obwohl die täglichen Neuinfektionen seit rund zwei Wochen sinken. Der Rückgang verlangsamt sich jedoch, während sich ansteckendere Virusvarianten weiter ausbreiten. Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen nannte die aktuellen Massnahmen in einem Interview „völlig in Ordnung“.
Er wolle keine Angst schüren, betonte aber, dass die Schweiz noch einen langen Weg vor sich habe. Wichtig sei zudem der Zeitverzug: Effekte neuer Massnahmen zeigen sich erfahrungsgemäss erst nach etwa zwei Wochen. Die derzeitigen Veränderungen sind daher nicht auf den Lockdown vor fünf Tagen zurückzuführen.
Die Varianten aus Grossbritannien (B.1.1.7) und Südafrika (B.1.351) sind der Hauptgrund für die verschärften Regeln – und ihre Verbreitung hält an. In der Schweiz wird derzeit rund ein Drittel der Fälle auf solche Mutationen untersucht, die Dunkelziffer gilt daher als hoch.
Der aktuellste Stand nennt 582 nachgewiesene Mutationsfälle in der Schweiz und Liechtenstein; die Gesamtzahl steigt derzeit steil an. Bei den täglichen Fallzahlen zeichnete sich seit Mitte November zunächst ein Plateau zwischen 4000 und 6000 Neuinfektionen ab.
Seit Ende Dezember geht der Trend nach unten, um den 7. Januar setzte eine deutlichere Abnahme ein. Der befürchtete Anstieg nach den Festtagen blieb aus. Seither sinken die Zahlen weiter, allerdings langsamer – und für die jüngsten Tage sind Nachmeldungen zu erwarten.
Ein Wochenvergleich verdeutlicht die Entwicklung: Am 9. Januar entsprachen die Neuinfektionen 62 Prozent des Niveaus vom 2. Januar, am 16. Januar waren es 79 Prozent gegenüber der Vorwoche. Die Positivitätsrate fällt ebenfalls. Am 21. Januar lag sie bei 7,8 Prozent – so tief wie seit dem 8.
Oktober nicht mehr –, zuletzt bei 8,1 Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt einen Wert von 5 Prozent oder tiefer; darüber ist mit einer erhöhten Dunkelziffer zu rechnen. Auffällig ist der Verlauf über die Feiertage: Zwischen dem 28. Dezember und dem 6.
Januar stieg die Positivitätsrate deutlich an und sinkt nun wieder. Das deutet darauf hin, dass in jener Zeit mehr Fälle unentdeckt blieben als aktuell – und erklärt mit, warum der Rückgang im Sieben-Tage-Vergleich anfangs stärker ausfiel. Der aktuellste schweizweite R-Wert vom 12.
Januar wird mit 0,79 angegeben und liegt damit wieder unter der vom Bundesrat angestrebten Schwelle von 0,8. Ein Wert unter 0,8 bedeutet, dass sich die Fallzahlen etwa alle zwei Wochen halbieren. Zuletzt lag der R-Wert am 12. November mit 0,78 unter dieser Marke.
Wie bei den Fallzahlen verlangsamt sich aber auch hier der Rückgang: Am 2. Januar wurde der R-Wert auf 0,83 geschätzt, am 26. Dezember lag er noch bei 0,97 und damit knapp unter dem kritischen Wert von 1,00. Regional gibt es Unterschiede: In Obwalden (1,06) und in Genf (1,07) liegt der R-Wert derzeit über 1,00.
Vor der letzten Aktualisierung lagen auch Uri und Schaffhausen darüber. Die Mischung aus langsameren Rückgängen und der Ausbreitung der Varianten spricht aus Sicht der Behörden für Vorsicht. Die Wirkung der neuen Massnahmen wird sich erst mit Verzögerung zeigen – und die Fallentwicklung bleibt damit in den kommenden Wochen im Fokus.
