SAP-Rally hebt den Dax – Anleger bleiben vor dem Wochenende vorsichtig

Ein kräftiger Kurssprung von SAP hat dem Dax vor dem Wochenende spürbar Auftrieb gegeben – trotz anhaltender Vorsicht der Anleger angesichts geopolitischer Risiken und hoher Ölpreise. Der deutsche Leitindex notierte am Freitag im frühen Handel etwas fester bei 24.169 Punkten.
Am Vortag war er zeitweise unter 24.000 Punkte gefallen und hatte den vierten Handelstag in Folge im Minus geschlossen. Auf Wochensicht zeichnet sich aktuell ein Verlust von 2,2% ab. Der MDax gab am Freitag um 0,6% auf 30.664 Zähler nach, der EuroStoxx 50 lag 0,3% tiefer.
Europas größter Softwarehersteller SAP sorgte mit überraschend guten Quartalszahlen für bessere Stimmung. Die Papiere des bislang schwächsten Dax-Werts des laufenden Jahres erholten sich kräftig um rund 6%. Analysten hoben insbesondere den Umsatz hervor, der in den kommenden zwölf Monaten aus bestehenden Cloud-Verträgen erwartet wird – eine positive Überraschung.
Analysten wie Toby Ogg (J.P. Morgan) und Charles Brennan (Jefferies) verwiesen zugleich erneut auf jüngste Aussagen von Konzernchef Christian Klein in der Financial Times.
Vor dem Hintergrund nahezu unveränderter Jahresziele dürften sich viele Anleger fragen, ob der Vergleich der aktuellen KI-Situation mit dem früheren Cloud-Wandel und der Hinweis auf kurzfristige Belastungen zugunsten langfristiger Erfolge notwendig gewesen sei, so Brennan.
Unter dem Strich dürfte der Quartalsbericht jedoch helfen, verlorenen Boden gutzumachen, ergänzte der Jefferies-Experte. Gefragt waren auch Siemens Energy. Eine unerwartet hohe Auftragsflut zu Jahresbeginn erhöht die Zuversicht des Energietechnikkonzerns für das laufende Geschäftsjahr.
Vorstandschef Christian Bruch zeigte sich insbesondere für die Netztechnik-Sparte Grid Technologies sowie für die Windkraft-Tochter Siemens Gamesa optimistischer. Die Aktie stieg um 1,2%. Bei Atoss Software beflügelten angehobene Margenziele die tags zuvor noch schwachen Titel.
Der im SDax notierte Anbieter hob die Prognose für die operative Marge aufgrund des soliden Jahresauftakts und der Erwartungen an den weiteren Verlauf auf mindestens 34% an. Jefferies-Analyst Henrik Paganetty sprach von einem starken ersten Quartal mit kräftigem Mittelzufluss.
Mit dem erwarteten Kurszuwachs am Freitag dürften die Aktien im Xetra-Handel auf das Kursniveau von Mitte März zurückkehren und die 50-Tage-Linie für den mittelfristigen Trend wieder klar überwinden. Seit Jahresbeginn zählen sie mit einem Minus von mehr als 31% gemessen am Xetra-Schluss vom Vortag dennoch weiter zu den größten Verlierern im SDax.
Belastend wirkt weiterhin der Ölpreis: Brent aus der Nordsee kostet mit um die 105 Dollar je Fass so viel wie seit Anfang April nicht mehr. Während die USA nach eigenen Angaben weiter auf einen geeinten Vorschlag des Irans zur Beilegung des Krieges warten, bauen sie ihre Militärpräsenz in der Region aus.
Inzwischen befindet sich ein dritter Flugzeugträger im Nahen Osten. Impulse aus Asien fielen gemischt aus. In Japan stützten Gewinne im Technologiesektor die Kurse: Der Nikkei-Index legte um 1% auf 59.716 Zähler zu, während der breiter gefasste Topix stagnierte.
Ein wachsender Bedarf an Chips für Rechenzentren verhalf dem US-Halbleiterkonzern Intel zu einem überraschend starken Quartal – in Tokio schnellte der Intel-Zulieferer Ibiden zeitweise um 15,2% nach oben. Die anhaltenden Erwartungen eines Gewinnwachstums im expandierenden KI-Sektor trieben den japanischen Markt, sagte Wataru Akiyama, Aktienstratege bei Nomura Securities.
Für den deutschen Markt bleibt die Stimmung damit zweigeteilt: Einzelwerte wie SAP sorgen für Rückenwind, während geopolitische Spannungen und der hohe Ölpreis den Gesamtmarkt bremsen. Entscheidend wird, ob sich die positive Einzeldynamik in die nächste Woche hinein halten kann – und ob sich die Risikolage entspannt.
