Rettungsversuche eingestellt: Vor Wismar festsitzender Buckelwal soll in Ruhe sterben

Nach mehreren erfolglosen Befreiungsversuchen haben Einsatzkräfte die Rettung eines vor Wismar in der Ostsee festsitzenden Buckelwals eingestellt. Wissenschaftler und Politik sehen keine Chance mehr für das stark geschwächte Tier und wollen es am jetzigen Liegeplatz in Ruhe lassen.
Der Meeressäuger hat sich in der Nacht nicht von der Stelle bewegt und lag am Morgen unverändert in der Kirchsee-Bucht. „Er ist noch da“, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Ob der Wal noch lebt, konnte er zunächst nicht sagen: Die Bootsbesatzung sei in der Nacht nicht nah genug herangekommen, um etwa Atembewegungen zu erkennen.
Auf Livebildern aus der Bucht waren gegen 6:30 Uhr noch regelmäßig kleine Wasserfontänen zu sehen. Die Rettungsversuche waren am Mittwoch eingestellt worden. „Wir gehen fest davon aus, dass das Tier dort verstirbt“, sagte Burkard Baschek, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Meeresmuseums.
Weitere Versuche, den Wal zum Losschwimmen zu bewegen, werde es nicht geben. Man müsste ihn „so massiv animieren“, dass dies aus Sicht der Experten aussichtslos wäre, weil dem Tier die Kraft fehle; die Erfolgschancen seien so gering, dass man es als „reine Tierquälerei“ empfinde.
Es ist bereits das vierte Mal in den vergangenen Wochen, dass sich der Wal an der Ostseeküste festschwamm. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) betonte, der Wal solle an seinem jetzigen Ort nicht weiter gestört werden. „Wir haben alles unternommen, um ihm seine Chance zu geben.
Das ist eine einzigartige Tragödie. Die hat er sich aber so ausgesucht“, sagte er. Rund um das Tier wurde eine 500-Meter-Sperrzone eingerichtet, die nach seinen Angaben streng kontrolliert wird; auch Drohnenflüge sind untersagt. Verstöße werden als Ordnungswidrigkeit geahndet.
Der Buckelwal war nach Behördenangaben seit Anfang März wiederholt in der Ostsee gesichtet worden, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Helfer gruben eine Rinne, über die er das flache Wasser wieder verlassen konnte.
Statt Richtung offenes Meer und Norden zu ziehen, schwamm er anschließend jedoch erneut in Richtung Wismar. Sollte sich die Erwartung von Wissenschaftlern, Umweltschützern und Politik bewahrheiten und der Wal verenden, würde der Kadaver nach Stralsund zum Deutschen Meeresmuseum gebracht.
Dort soll das Tier untersucht und die Todesursache bestimmt werden; es gehe ausdrücklich nicht darum, ein Skelett für das Museum zu erhalten.
