Präsenz vor Leistung: Mehrheit der Schweizer Angestellten inszeniert Produktivität, zeigt Umfrage
In vielen Schweizer Büros zählt offenbar der Auftritt mehr als das Ergebnis. Eine aktuelle Umfrage der Jobplattform Indeed und des Marktforschungsinstituts Appinio unter 458 hybrid arbeitenden Büroangestellten zeigt ein ausgeprägtes „Produktivitäts-Theater“: 57,5 Prozent gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten bewusst Massnahmen ergriffen zu haben, um engagierter zu wirken, als sie tatsächlich waren.
Nur 42,5 Prozent verlassen sich nach eigenen Angaben ausschliesslich auf ihre tatsächlichen Ergebnisse. Als Gründe nennen die Befragten vor allem Misstrauen seitens der Arbeitgeber: Rund 33 Prozent verweisen auf eine Unternehmenskultur mit Präsenzkontrolle, 26,8 Prozent fühlen sich durch Mikromanagement unter Druck gesetzt, und 26 Prozent treibt die Sorge um den Arbeitsplatz.
Entsprechend die Wahrnehmung: 50,9 Prozent sind überzeugt, dass Vorgesetzte sichtbare Anwesenheit höher bewerten als messbare Resultate. Bemerkenswert: 64,2 Prozent wären bereit, auf einen Teil ihres Lohns zu verzichten, wenn ausschliesslich das Ergebnis zählen würde.
Auch beim Arbeitsort schneidet das Büro in der Einschätzung vieler Angestellten schlecht ab. Fast die Hälfte (48,8 Prozent) kann sich im Homeoffice besser auf komplexe Aufgaben fokussieren; im Büro gelingt das lediglich 21 Prozent. Lärm, Smalltalk und spontane Störungen reissen nach eigenen Angaben zwei Drittel der Befragten regelmässig aus dem Arbeitsfluss.
Die Belastung ist spürbar: 46,2 Prozent fühlen sich nach einem Tag mit Pendeln und sozialen Verpflichtungen im Büro erschöpfter als nach einem Homeoffice-Tag. Und dennoch fahren 54,7 Prozent regelmässig ins Geschäft, um „Gesicht zu zeigen“ – obwohl sie ihre Arbeit zu Hause effizienter erledigen könnten.
Die Ergebnisse füttern eine kontrovers geführte Debatte über Präsenz- und Leistungskultur in der Schweizer Arbeitswelt: Wenn Sichtbarkeit belohnt wird, könnte dies nicht nur Produktivität kosten, sondern auch das Vertrauen zwischen Belegschaft und Führung weiter belasten.
