Per Knopfdruck unter die Erde: Japans Eco-Cycle-Parksystem schafft Platz an der Oberfläche

Ein Knopfdruck, und das Velo verschwindet – nicht gestohlen, sondern sicher versenkt. In dicht bebauten Quartieren, vor Bahnhöfen und in Parks hat Platz einen hohen Wert. Genau dort setzt Eco Cycle an, ein unterirdisches Parksystem der japanischen Firma Giken, das den Raum über der Erde freihält.
Von aussen ist meist nur ein kleines Häuschen zu sehen. Velofahrende stellen dort ihr Fahrrad ab, ein Chip erkennt das Fahrzeug, ein Lift transportiert es automatisch nach unten. Sensoren überwachen den Ablauf. Unter der Erde lagern in einem kompakten Silo bis zu zweihundert Fahrräder – Raum, der oberirdisch oft fehlt.
Für die Stadt hat das spürbare Folgen. "Gerade beim Bahnhof hat die Zahl der irgendwo abgestellten Velos deutlich abgenommen, und auch die Sicherheit für Fussgänger hat sich verbessert", sagt Takako Takemura, Leiterin der Verkehrsabteilung im Stadtbezirk Minato.
Wichtig sei zudem das Stadtbild: Das System wirke optisch ansprechend und füge sich gut in die Umgebung ein. Entstanden ist Eco Cycle aus einer Idee jenseits des Velos. "Unsere Firma entwickelte ursprünglich eine Methode, mit der Pfähle vibrations- und geräuscharm in den Boden eingebracht werden", erklärt Ryusei Shimizu, Entwicklungsleiter bei Giken.
Daraus entstand das Konzept, den Raum unter der Erde neu zu nutzen. Der Bau dauert drei bis vier Monate und ist je nach Standort bis zu fünfzig Prozent günstiger als herkömmliche Veloparkplätze mit Rampe. Hinzu kommen allerdings Unterhaltskosten, etwa für die Liftanlage.
Für Nutzerinnen und Nutzer zählt vor allem das Sicherheitsgefühl. "Ich muss mir keine Sorgen mehr um Diebstahl machen", sagt Velofahrerin Megumi Matsui. "Und weil mein Velo bei Regen trocken bleibt, fühlt sich der Arbeitsweg gleich viel angenehmer an." Eine Monatskarte kostet rund fünfzehn Franken.
Mit einer Chipkarte wird das Velo wieder ausgelöst; innert rund zehn Sekunden bringt der Lift es zurück an die Oberfläche. Mit mehr Elektrovelos und steigenden Benzinpreisen setzen immer mehr Städte aufs Fahrrad – doch Platz bleibt knapp. "Flächen vor Bahnhöfen zu sichern, ist extrem schwierig", sagt Takemura.
Neue Lösungen seien deshalb nötig. Manche davon liegen dort, wo man sie zunächst nicht vermutet: unter den eigenen Füssen.
