Nach Drohungen gegen Schiedsrichter: FC Egerkingen wirft Erencan bewusste Provokation vor

Der Streit um die C-Junioren des FC Egerkingen und Schiedsrichter Erencan (21) bekommt eine neue Wendung. Eine Woche nach massiven Beleidigungen und Drohungen durch Egerkinger Nachwuchsspieler legt der Verein nach internen Abklärungen provokative Social-Media-Beiträge und Nachrichten des Unparteiischen vor – und fordert, auch dessen Verhalten zu prüfen.
„Ohne seine Provokation auf Social Media wäre es nicht eskaliert“, sagt Vizepräsident Janick Sulser. Neben einem provokanten Story-Post tauchten weitere Dialoge auf, die nach dem Spiel auf Social Media geführt wurden. Daraus geht hervor, dass Erencan einzelne Spieler direkt konfrontierte.
In den Nachrichten steht unter anderem: „Chumm uf *** und red namal so vor mir“ sowie „Gang zu dinere mam ihri t** ga nukle brudi“. In einer Sprachnachricht sagte er zudem zu einem Spieler: „F*** Egerkingen“. Nach der Berichterstattung teilte der Schiedsrichter weitere Inhalte, die als provokativ gewertet werden können – darunter den Bericht mit dem Kommentar „Ups“ sowie ein Filmzitat: „War das alles legal?
Aber nein, absolut nicht.“ Sulser stellt deshalb infrage, ob Erencan, der auf seinem öffentlichen Account mit Strassenumfragen im Spiderman-Outfit auffällt, den Vorfall „bewusst medial ausgeschlachtet“ habe.
„Es kann nicht sein, dass ein Schiedsrichter nach dem Spiel ständig weiter provoziert und ohne Konsequenzen davonkommt.“ Erencan hatte sich bereits zu früheren Provokationsvorwürfen geäussert und zeigt sich auch mit Blick auf die neu bekannt gewordenen Direkt- und Sprachnachrichten selbstkritisch: „Auch hier war es nicht meine Intention, die Spieler zu provozieren – ich habe aus der Emotion heraus gehandelt.“ Er betont, keine persönliche Abneigung gegenüber dem Verein oder dem Dorf Egerkingen zu haben.
Den Vorwurf, bewusst die Öffentlichkeit gesucht zu haben, weist er zurück: „Ich verstehe aber, dass dieser Eindruck entstehen konnte, und nehme die Kritik ernst.“ Die Situation sei für ihn weiterhin „sehr belastend“. Trotz Kritik am Schiedsrichter verurteilt der FC Egerkingen das Verhalten von Zuschauern und Spielern nach dem Spiel Ende April gegen den FC Dulliken klar.
Sulser entschuldigte sich telefonisch im Namen des gesamten Vereins beim betroffenen Schiedsrichter: „Wir bedauern und verurteilen die beleidigenden Nachrichten unserer Spieler an den Schiedsrichter aufs Schärfste.“ Nach einer ausserordentlichen Sitzung mit Trainern und Vorstand leitete der Klub interne Untersuchungen ein.
Die Sanktionen fallen unterschiedlich aus: Ein Spieler wurde aus dem Verein ausgeschlossen, ein weiterer bis im Sommer intern sanktioniert. Drei weitere Spieler erhielten interne Spielsperren, zudem wurden die Eltern informiert. „Mehrheitlich zeigen sich die Spieler reumütig“, so Sulser.
Zugleich stellt der Verein klar, dass nicht alle Nachrichten an den Schiedsrichter von Egerkinger Mitgliedern stammen. Von sieben bekannten Nachrichtenverläufen konnten laut Klub fünf eigenen Spielern im Alter zwischen 13 und 16 Jahren zugeordnet werden. „Die meisten der schlimmsten Aussagen sind nicht von Spielern unseres Vereins verfasst worden“, sagt Sulser.
Wegen Fehlverhaltens von Zuschauern während des Spiels wurde der FC Egerkingen vom Solothurner Fussballverband zudem mit einer Ordnungsbusse in der Höhe von mehreren Hundert Franken belegt. Der Verein erwartet, dass nun auch das Verhalten des Schiedsrichters offiziell geprüft wird.
