LKA Tirol führt Schlag gegen Menschenhandel – Schwerpunkt auf Cybercrime und Gewaltprävention
Ein seltener Coup bringt Tirols Kriminalisten in die erste Reihe: Das Landeskriminalamt Tirol wirkte federführend bei der Zerschlagung eines international agierenden Menschenhändlerrings mit. In Zusammenarbeit mit Europol, den Landeskriminalämtern Salzburg, Vorarlberg und Wien sowie den Behörden in Kolumbien wurden Frauen im Alter zwischen 19 und 53 Jahren aus der Gewalt der Täter befreit.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) zeigte sich über den Ermittlungserfolg sichtbar erfreut. Auch im Kampf gegen die Drogenkriminalität meldete die Tiroler Polizei Fortschritte. Die Ermittlungen konzentrierten sich zuletzt auf den Bezirk Kufstein.
Über die Ergebnisse informierten Landespolizeidirektor Helmut Tomac, LKA-Leiterin Katja Tersch, Staatsanwalt Hansjörg Mayr und Bezirkspolizeikommandant Major Karl Kraus bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.
Neben Ermittlungen rückt die Ausbildung in den Fokus: Bei einem Journalistentag in der Polizeischule im Bildungszentrum Absam erhielten Medienvertreter Anfang Juli Einblick in die Schulung zu „Gewalt in der Privatsphäre“ und konnten Trainingsszenarien aus Sicht der Polizei durchspielen.
Dabei wurden auch aktuelle Kennzahlen vorgestellt. Strukturell stellt sich die Tiroler Polizei mit der „Kriminaldienstreform 2.0“ neu auf. Die Reform soll bis 2028 sowohl Aufbau als auch Schwerpunkte bis in die Polizeiinspektionen hinein verändern; der Start ist nach den Vorbereitungen im zweiten Quartal 2024 vorgesehen.
Hintergrund ist die seit Jahren zu beobachtende Verlagerung von Kriminalität ins Internet: In Tirol stiegen die Fälle der Cyberkriminalität im vergangenen Jahr um 20 Prozent. Nach zwei pandemiegeprägten Jahren mit sinkender Gesamtkriminalität verzeichnete Tirol 2022 wieder einen deutlichen Anstieg der Anzeigen: plus 28,8 Prozent auf 39.363 Delikte, damit jedoch weiterhin unter dem Niveau von 2019 (40.836).
Zugleich bereitet die Personalsituation der Polizei Probleme. Für Innsbruck meldeten die Verantwortlichen eine gesteigerte Aufklärungsquote. Eigentumsdelikte gingen stark zurück, die Gewaltkriminalität verzeichnete einen leichten Rückgang. Zugleich stiegen die Fälle von Gewalt im familiären Umfeld und die Internetkriminalität.
1.006 Personen wurden durch Betretungs- und Annäherungsverbote geschützt – um 298 mehr als 2020. Diese Bilanz stellten Landespolizeidirektor Edelbert Kohler, LKA-Leiterin Katja Tersch und Kriminalreferent Christoph Kirchmair vor. Auch Prävention wird intensiviert: Im Rahmen der weltweiten Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ – vom 25.
November bis 10. Dezember – liegt der Tiroler Schwerpunkt auf strukturierter Gewalt und entsprechenden Präventionsmaßnahmen. Im Mittelpunkt vieler Entwicklungen steht LKA-Chefin Katja Tersch. Ein Bericht über die ersten Polizistinnen in Wien im Jahr 1992 motivierte sie zur Laufbahn bei der Exekutive.
Seit 2001 in Innsbruck tätig, leitet sie seit Februar 2020 das Landeskriminalamt. Als Teamspielerin mit Vorbildfunktion für junge Kolleginnen prägt sie die Ausrichtung der Tiroler Kriminalpolizei in einer Phase hoher Anforderungen und raschen Wandels.
