Linkes Zürichseeufer wird zur Platinküste: Preise explodieren, Expats dominieren

Am linken Ufer des Zürichsees hat sich das Kräfteverhältnis in kurzer Zeit gedreht: Aus der einst spöttisch «Pfnüselküste» genannten Zone ist der teuerste Abschnitt rund um den See geworden. Die Preise schiessen nach oben, internationale Käuferinnen und Käufer geben den Ton an – viele Einheimische fühlen sich an den Rand gedrängt.
Makler sprechen inzwischen von der «Platinküste». Während die gegenüberliegende Goldküste lange als Inbegriff von Reichtum und gesellschaftlicher Elite galt, zieht heute die Westseite die höchsten Summen an. In Kilchberg liegt der Quadratmeterpreis bei rund 35'000 Franken, laut einem Bericht.
Die Preise für Einfamilienhäuser haben sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. «Vier von fünf Liegenschaften, die 2025 zwischen Kilchberg und Horgen zum Verkauf standen, gingen an Expats und internationale Privatpersonen mit mehreren Wohnsitzen», sagt Niki Thomet, Geschäftsführer des Teams Thalwil von Engel & Völkers.
Gefragt sei nicht mehr das Zuhause für die Ewigkeit, sondern eine mehrheitsfähige Immobilie mit solidem Wiederverkaufswert, heisst es. Ein Treiber des Booms ist der Generationswechsel: Erbengemeinschaften verkaufen häufiger, weil die Übernahme für Einzelne finanziell nicht machbar ist.
Bestehende Gebäude weichen Neubauten. Dazu kommen Standortvorteile wie Seesicht, vergleichsweise tiefe Steuern, die Nähe zu Zürich und Zug, eine gute Verkehrserschliessung sowie internationale Schulen. Der Ausländeranteil liegt in den betroffenen Gemeinden inzwischen zwischen 30 und 40 Prozent.
Schweizer Käuferinnen und Käufer sind zur Ausnahme geworden. «Seit ein paar Jahren fühle ich mich in meiner Heimatgemeinde wie ein Statist, der für ein bisschen Folklore sorgt», sagt ein Einwohner aus Thalwil. Politisch reagiert man mit Initiativen für mehr bezahlbaren Wohnraum und mit Vorschlägen wie einem Einheimischenbonus.
In Thalwil beauftragten die Stimmberechtigten bereits im März 2024 den Gemeinderat, entsprechende Massnahmen zu prüfen. Ziel eines solchen Bonus ist es, neu geschaffenen Wohnraum teilweise für Personen zu reservieren, die bereits länger in der Gemeinde leben.
