Kriminalstatistik 2025: Gesamtkriminalität sinkt, Sexualdelikte steigen deutlich

Weniger Straftaten, mehr Gewalt in sensiblen Bereichen: Deutschland hat 2025 fast sechs Prozent weniger erfasste Delikte verzeichnet, zugleich stiegen bestimmte Formen der Gewaltkriminalität. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und BKA-Präsident Holger Münch präsentierten die Zahlen und mahnten, die Entwicklungen im Licht veränderter Gesetze und eines möglichen Wandels im Anzeigeverhalten zu betrachten.
„Durchschnittlich sind es 580 Gewaltdelikte pro Tag, die in Deutschland stattfinden“, sagte Dobrindt. Für Mord und Totschlag sowie für Vergewaltigung und sexuelle Nötigung registrierten die Ermittlungsbehörden 2025 mehr Fälle als im Jahr zuvor. Besonders auffällig ist laut Münch die Dynamik bei Sexualdelikten: Seit 2018 sei die Zahl der Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen und Übergriffe um 71,7 Prozent gestiegen.
Dass die Gesamtkriminalität dennoch rückläufig ist, hat nach Darstellung der Behörden mehrere Gründe. So wirkt sich die seit Mitte 2024 teilweise Legalisierung von Anbau und Besitz von Cannabis auf die Statistik aus. Zudem gingen Straftaten gegen das Aufenthalts- oder Asylgesetz am stärksten zurück: 2025 wurden rund 80.000 Fälle weniger registriert.
„Das sind Straftaten, die nur neu Zugewanderte in der Regel begehen“, sagte Münch. Weniger Zuwanderung bedeute in diesem Bereich folglich weniger Fälle. Die Zunahme der erfassten Sexualdelikte führen die Behörden auch auf rechtliche und gesellschaftliche Entwicklungen zurück.
Ein „großer Block“ sei darauf zurückzuführen, dass vor zehn Jahren das Prinzip „Nein heißt Nein“ ins deutsche Recht aufgenommen und das Sexualstrafrecht 2016 verschärft wurde, etwa um Taten aus einer Gruppe heraus besser zu erfassen. Auffällig ist zudem, dass sich 46 Prozent der 2025 gemeldeten Fälle vor 2025 ereigneten.
Dieses Nachmelden älterer Taten nehme zu, so Münch. Der BKA-Chef wertet dies als Hinweis auf einen gesellschaftlichen Wandel. Es gebe „gestiegene Sensibilität“, mehr mediale Aufmerksamkeit und prominente Fälle, die das Thema präsenter machten. „Wir sehen das auch an stark gestiegenen Google-Suchen zum Thema sexuelle Gewalt“, sagte Münch und verwies darauf, dass entsprechende Online-Suchen seit 2021 deutlich zugenommen hätten.
Zugleich betonte er, dies seien nur Indikatoren und vermutliche Zusammenhänge: „Genau sagen können wir es damit nicht.“ Möglich sei, dass ein Teil des Dunkelfelds ausgeleuchtet werde. Die Bilanz: Die Kriminalstatistik bildet nicht nur Kriminalität ab, sondern auch Gesetzesänderungen und gesellschaftliches Verhalten.
Wer die Zahlen verstehen will, muss beides mitdenken.
