KI in der deutschen Industrie: Breit etabliert, aber Skalierung stockt

Die deutsche Industrie hat Künstliche Intelligenz (KI) flächendeckend in ihre Prozesse integriert – doch der nächste Schritt, die Skalierung, gestaltet sich schwierig. Das zeigt der *Industrial Technology Index 2026*, eine aktuelle Studie unter 1.000 Fach- und Führungskräften aus der Branche.
Während 80 Prozent der Unternehmen KI bereits zumindest teilweise einsetzen und 37 Prozent sie sogar über mehrere Bereiche hinweg nutzen, rücken wirtschaftliche Kennzahlen und Altlasten in den Vordergrund. Die Euphorie der ersten Jahre weicht einer nüchternen Kosten-Nutzen-Rechnung.
„Viele Unternehmen nutzen KI bereits im Arbeitsalltag. Entscheidend ist jetzt, klare Ziele zu definieren und Investitionen in messbaren Nutzen zu übersetzen“, sagt Rüdiger Ostermann, Vice President und Chief Technology Officer bei TE Connectivity. Tatsächlich verschiebt sich der Fokus: 67 Prozent der deutschen Unternehmen nennen Gewinnsteigerung als eines der wichtigsten Ziele bis 2030.
Bei der Bewertung von KI-Projekten stehen konkrete Effekte im Mittelpunkt – 65 Prozent der Befragten sehen Kosteneinsparungen als zentrale Kennzahl, 60 Prozent den Return on Investment (ROI). Die Technologie wird nicht mehr als Selbstzweck betrachtet, sondern als Werkzeug für nachhaltige Wertschöpfung.
Doch der Weg dorthin ist mit Hürden gepflastert. Unternehmen ohne KI-Nutzung nennen zu 74 Prozent die hohen Implementierungskosten als größtes Hindernis. 63 Prozent verweisen auf regulatorische und ethische Fragen, 45 Prozent auf Compliance-Hürden. Ein weiteres Problem: veraltete Infrastrukturen.
63 Prozent der Befragten sehen nicht energieeffiziente Legacy-Systeme als Innovationsbremse – besonders mit Blick auf Nachhaltigkeitsziele. Gleichzeitig gewinnt die Automatisierung an Bedeutung: 94 Prozent der Organisationen setzen bereits auf entsprechende Technologien, um repetitive Prozesse zu optimieren und Fachkräfte gezielter einzusetzen.
Trotz der Herausforderungen bleibt die Innovationsbereitschaft hoch. 46 Prozent der deutschen Ingenieurinnen und Ingenieure wollen neue Technologien früh testen und in bestehende Prozesse integrieren. Zudem zeichnet sich ein hybrides Betriebsmodell ab: 75 Prozent der Unternehmen definieren klare ethische Leitplanken für den KI-Einsatz.
Mensch und Maschine arbeiten dabei eng zusammen – etwa in der Datenanalyse, Entscheidungsfindung oder im Produktdesign. Die Studie, die neben Deutschland auch die USA, China, Japan und Indien einbezieht, unterstreicht: Die technologische Transformation ist kein rein automatisierter Prozess, sondern ein Zusammenspiel von Effizienz, Wirtschaftlichkeit und verantwortungsvollem Umgang mit neuen Technologien.
