Iran öffnet Straße von Hormus für Handelsschiffe – US-Blockade bleibt bestehen

Der Iran hat die Straße von Hormus für die Dauer der Waffenruhe im Libanon für die Handelsschifffahrt freigegeben. Außenminister Abbas Araktschi teilte am Freitag auf X mit, die Durchfahrt aller kommerziellen Schiffe erfolge auf einer koordinierten Route, die von der iranischen Hafen- und Schifffahrtsbehörde festgelegt worden sei.
Die Waffenruhe zwischen dem Libanon und Israel war in der Nacht auf Freitag in Kraft getreten und gilt für zehn Tage. US-Präsident Donald Trump bestätigte die Öffnung der Meerenge, erklärte jedoch, die Blockade iranischer Häfen durch das US-Militär bleibe vorerst aufrecht.
Sie gelte, bis die Verhandlungen mit Teheran „zu 100 Prozent“ abgeschlossen seien, schrieb er auf Truth Social. Der Prozess solle rasch vorankommen, da die meisten Punkte bereits ausgehandelt seien. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens dürfen Kriegsschiffe die Straße von Hormus nicht passieren.
Handelsschiffe könnten die Route dagegen mit Erlaubnis der Marine der Revolutionsgarde nutzen. Nach der Ankündigung gaben die Ölpreise um gut zehn Prozent nach. Sollte die US-Seeblockade andauern, werde der Iran dies als Verletzung der Waffenruhe betrachten und die Straße von Hormus wieder schließen, meldete die iranische Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf einen Regierungsvertreter.
Die EU forderte Teheran in einer ersten Reaktion auf, geplante Transitgebühren für die Nutzung der Meerenge fallen zu lassen. Die Durchfahrt durch solche Wasserstraßen müsse nach internationalem Recht ermöglicht und kostenlos bleiben, schrieb die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas auf X.
Ein Gebührenmodell würde einen gefährlichen Präzedenzfall für globale Seerouten schaffen. In Paris berieten am Nachmittag zahlreiche Staats- und Regierungschefs über eine militärische Absicherung der Route.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfing neben dem deutschen Kanzler Friedrich Merz den britischen Premierminister Keir Starmer und Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni; rund 30 weitere Teilnehmer schalteten sich per Video zu. Nach dem Treffen forderte Macron die Wiederherstellung der vor dem Krieg geltenden Bedingungen für freie Durchfahrt und die uneingeschränkte Achtung des Seerechts.
Frankreich wolle gemeinsam mit Großbritannien einen neutralen Marineeinsatz organisieren, der sich klar von den Kriegsparteien abgrenze, um Handelsschiffe entlang der iranischen Küste im Golf zu begleiten und zu sichern. Starmer sagte, mehr als ein Dutzend Staaten hätten zugesagt, bei der Sicherung der Passage zu helfen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bot Unterstützung durch Satellitendaten und eine Stärkung der EU-Marinemission Aspides an, die derzeit im Roten Meer im Einsatz ist. Trump erklärte zudem, die NATO habe ihm Hilfe angeboten. Er habe ihr geraten, sich herauszuhalten, „es sei denn, sie wollen einfach nur ihre Schiffe mit Öl beladen“.
Der Iran hatte die strategisch wichtige Meerenge seit Beginn von Angriffen durch die USA und Israel am 28. Februar blockiert. Durch die Straße von Hormus wird etwa ein Fünftel der weltweiten Ölexporte transportiert; die Energiepreise waren in den vergangenen Wochen entsprechend stark gestiegen.
UN-Generalsekretär António Guterres nannte die Öffnung „einen Schritt in die richtige Richtung“. Trump zeigte sich zuversichtlich, der Krieg mit dem Iran könnte bald enden, und rief die mit Teheran verbündete Hisbollah im Libanon auf, die zehntägige Waffenruhe einzuhalten.
Er schrieb zudem, Israel werde den Libanon nicht länger bombardieren.
