Hormus-Blockade gefährdet Düngemittelströme – Preisanstieg erreicht Österreich

Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus und wieder aufflammende Gefechte in der Meerenge drosseln seit über zwei Monaten die Düngerlieferungen aus den Golfstaaten. Die Folge sind Knappheit und Preisaufschläge auf dem Weltmarkt – mit spürbaren Auswirkungen auch auf Betriebe in Österreich.
Vor dem Krieg im Iran wurde rund ein Drittel der weltweiten Düngerexporte über die Straße von Hormus abgewickelt. Der Engpass verschärft sich, weil Lieferungen Landwirtinnen und Landwirte vielerorts nicht mehr erreichen.
Großbritannien schickte am Samstag einen Zerstörer in Richtung Einsatzgebiet: Die HMS Dragon werde in Position gebracht, um an einer von Großbritannien und Frankreich geführten Mission zum Schutz von Handelsschiffen teilzunehmen, sobald die Feindseligkeiten zwischen dem Iran und israelisch-amerikanischen Streitkräften enden, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in London.
Die globale Dimension skizzierte der Chef des führenden Stickstoffdüngerproduzenten Yara, Svein Tore Holsether: Die Unterbrechung der Lieferketten könnte den Verlust von bis zu zehn Milliarden Mahlzeiten pro Woche bedeuten, sagte er zuletzt in einem Interview.
Besonders betroffen sind Stickstoffdünger wie Harnstoff, die weltweit am häufigsten eingesetzt werden und zuletzt kräftige Preissprünge verzeichneten. Für ihre Herstellung werden Wasserstoff – meist aus Erdgas – und Stickstoff benötigt.
Geringere Düngergaben könnten laut Holsether einen „Wettstreit“ um Lebensmittel auslösen; die Auswirkungen würden vor allem in Südostasien, Subsahara-Afrika und Lateinamerika zu spüren sein, besonders in bereits unterdüngten Anbaugebieten.
Auch Weltbank und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen warnten, eine FAO-Analyse verweist darauf, dass Knappheit in Kombination mit hohen Energiekosten die Lebensmittelpreise nach oben treiben könnte.
In Österreich ist die Verfügbarkeit von Düngemitteln nach Einschätzung von LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger „noch nicht das größte Problem“, weil sich die Betriebe für die laufende Anbausaison 2026 frühzeitig eingedeckt haben.
Preisdruck gibt es dennoch: Da der Weltmarkt die Preise vorgibt, sind auch in Österreich produzierte Dünger teurer geworden; die Weltmarktpreise für Stickstoffdünger stiegen seit Kriegsbeginn teilweise um 50 Prozent. Laut Landwirtschaftskammer standen die frühen Käufe weniger im Zusammenhang mit der geopolitischen Lage als mit dem CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) der EU, der zu Jahresbeginn für Unsicherheit sorgte.
CBAM belegt importierte Güter wie Düngemittel mit Abgaben auf die bei ihrer Herstellung anfallenden CO2-Emissionen und soll eine Verlagerung der Produktion in Länder mit geringeren Klimaauflagen verhindern. Die LKÖ fordert, CBAM auszusetzen und entstandene Mehrkosten kurzzeitig auszugleichen.
Mehrere EU-Staaten hatten eine Aussetzung bereits im März verlangt; EU-Agrarkommissar Christophe Hansen warnte damals, ein solcher Schritt könne die Abhängigkeit von Importen verschärfen. Ertragseinbußen in Österreich dürften in dieser Saison nach Einschätzung der LKÖ vor allem der großen Trockenheit geschuldet sein, nicht fehlenden Düngemitteln.
„Erst wenn es wieder ausgiebig geregnet hat, stellt sich die Frage, ob die eher zurückhaltende Düngung auch einen Einfluss haben kann“, hieß es. Grundsätzlich sind nahezu alle wichtigen Getreidearten, Mais und Ölsaaten von den hohen Düngerpreisen betroffen.
