Hantavirus an Bord: Madrid erlaubt Einlaufen, Kanaren wollen Andocken verweigern

Ein tödliches Hantavirus an Bord der „Hondius“ hat in Spanien einen Kursstreit ausgelöst: Während das Gesundheitsministerium dem Kreuzfahrtschiff die Einfahrt in einen Hafen der Kanarischen Inseln gestattet hat, will die Regionalregierung der Kanaren das Andocken vorerst verweigern.
Die „Hondius“ mit knapp 150 Menschen an Bord ankert derzeit vor Kap Verde, wo nach offiziellen Angaben nicht genügend Kapazitäten für Hilfe vorhanden sind. Der Präsident der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo, begründete die Ablehnung mit dem Fehlen „ausreichender Informationen, um die Öffentlichkeit zu beruhigen und ihre Sicherheit zu gewährleisten“.
Er beantragte ein dringendes Gespräch mit Ministerpräsident Pedro Sánchez. Zuvor hatte das spanische Gesundheitsministerium mitgeteilt, das Schiff dürfe einen – nicht näher genannten – Hafen auf den Kanaren anlaufen und könnte dort in drei bis vier Tagen eintreffen.
Laut dem Sender TVE war Teneriffa vorgesehen. Vor Ort sollten Besatzung und Passagiere untersucht, bei Bedarf medizinisch versorgt und anschließend in ihre Heimatländer zurückgebracht werden. Nach Angaben des Ministeriums fiel die Entscheidung in Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU gemäß internationalem Recht und humanitären Prinzipien.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) habe das Schiff geprüft, um Personen zu identifizieren, die dringend von Kap Verde aus in Sicherheit gebracht werden müssten. Die WHO habe erklärt, Kap Verde könne diese Operation nicht selbst durchführen; die Kanaren seien der nächstgelegene Ort mit den nötigen Kapazitäten.
Spanien habe eine „moralische und rechtliche Verpflichtung“, zu helfen, darunter mehreren spanischen Staatsbürgerinnen und -bürgern. Zudem stimmte die Regierung zu, den Schiffsarzt der „Hondius“, der sich in kritischem Zustand befindet, in den kommenden Stunden mit einem Lazarettflugzeug auf die Kanaren zu verlegen.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bekräftigte, das Risiko für die allgemeine Bevölkerung sei derzeit gering. Die spanische Gesundheitsministerin Mónica García erklärte am Dienstagnachmittag, alle verbliebenen Passagiere an Bord seien asymptomatisch.
Nicht spanische Staatsangehörige würden nach Ankunft des Schiffs auf Teneriffa in ihre Länder zurückgeführt; eine Quarantäne in Spanien sei für sie nicht vorgesehen, darüber sollten die Heimatländer entscheiden. Für die 14 Spanier ist ein Transport per Flugzeug in ein Krankenhaus in Madrid geplant, wo sie in Quarantäne gehen sollen.
Bislang sind drei Passagiere der unter niederländischer Flagge fahrenden „Hondius“ gestorben: ein älteres niederländisches Ehepaar und eine Person aus Deutschland, bei der es sich nach Angaben des Betreibers Oceanwide Expeditions um eine Frau handelt. Die WHO geht derzeit von insgesamt sieben Erkrankungsfällen aus; drei Erkrankte seien zur medizinischen Behandlung in die Niederlande ausgeflogen worden.
Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem inzwischen verstorbenen niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien an Land angesteckt haben könnte. Unterdessen wurde in der Schweiz ein Mann positiv auf das Hantavirus getestet.
Er wird im Universitätsspital Zürich behandelt, wie das Bundesamt für Gesundheit am Mittwoch mitteilte. Es handelt sich um einen früheren Passagier der „Hondius“. Zudem bestätigten Labortests in Südafrika die Möglichkeit einer Übertragung von Mensch zu Mensch.
Wie es weitergeht, hängt nun von den Gesprächen zwischen der Regionalregierung der Kanaren und Madrid ab. Sollte die „Hondius“ einlaufen dürfen, wird sie nach derzeitiger Planung in drei bis vier Tagen auf den Kanaren erwartet; dann sollen medizinische Abklärungen, Behandlungen und Rückführungen beginnen.
