Hamburgs Schulreform setzt Schulprofile unter Druck – zweite Konferenzrunde startet

In Hamburg beginnt am Montag die zweite Runde der regionalen Schulentwicklungskonferenzen. Schon vorab räumt Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) Konflikte ein, und der Leiter des Planungsstabes zur Schulreform, Peter de Lorent, stellt klar: Einige weiterführende Schulen werden im Zuge der geplanten sechsjährigen Primarschule auf ihr Profil verzichten müssen.
Schulen müssten in den regionalen Konferenzen plausibel machen, warum bestimmte Profile nach der Reform erhalten bleiben sollten, sagte de Lorent am Freitag vor Journalisten. Es gehe darum, „über lokale Grenzen hinaus zu denken“ und zu fragen, was die jeweilige Bildungsregion tatsächlich benötige.
Hintergrund ist die von Schwarz-Grün zum Schuljahr 2010/2011 geplante Verlängerung der Grundschulzeit von vier auf sechs Jahre. Eltern entscheiden dann nicht mehr, ob ihr Kind im Anschluss das Gymnasium oder die Stadtteilschule besucht; diese Entscheidung trifft die Lehrerkonferenz.
Wie bisher können Eltern jedoch die konkrete weiterführende Schule auswählen. Viele Schulen hatten in den vergangenen Jahren spezielle Profile entwickelt und damit geworben – auf Anregung der Schulbehörde. Goetsch betonte, es werde keine Vorgaben der Behörde geben.
Zugleich räumte sie ein, dass es „in einigen Regionen sehr schwierig“ werde, die Konkurrenz zwischen den Schulen zu beseitigen. Man setze darauf, dass in den Schulentwicklungskonferenzen Lösungen gefunden werden. Die zweite Runde der Schulentwicklungskonferenzen (RSK) startet am Montag.
Vertreter von Schulen, Lehrern, Schülern, Eltern und weiteren gesellschaftlichen Gruppen beraten unter Moderation der Behörde, wie die Reform umgesetzt werden kann. In dieser Runde sollen alle Teilnehmer die Rahmendaten erhalten und am Ende eine Übersicht über das Bildungsangebot in ihrer Region haben; zudem werden erste Pläne zu künftigen Schulstandorten diskutiert.
Insgesamt gibt es 22 RSK mit insgesamt 1500 Vertretern. Die Schulleitungen mussten einen Überblick über die Nutzung der Unterrichtsräume vorlegen und das spezifische Profil ihrer Schule benennen. Goetsch räumte ein, dass es in der ersten Runde Konflikte und Kontroversen gegeben habe; der Widerstand sei besonders dort ausgeprägt gewesen, wo die Reform grundsätzlich abgelehnt werde.
Zugleich sagte sie, drei Viertel der Konferenzen seien „ordentlich und konstruktiv“ verlaufen. An Kriterien für den Übergang von der Primarschule auf das Gymnasium, für viele Eltern ein zentrales Thema, werde noch gearbeitet. De Lorent kündigte an, dass in der zweiten Runde keine Berichte von durch die Behörde beauftragten Autoren erstellt würden.
Die Protokolle der ersten Runde hatten für Unmut gesorgt; der Behörde war vorgeworfen worden, sie habe die Berichte „geglättet“. Unterdessen wächst in der CDU der Unmut über den Fortgang der Reform.
Die frühere Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig warnte vor zu hohem Tempo: „Die größte Gefahr liegt darin, dass wir wenig Zeit haben, den Unterricht weiterzuentwickeln, weil wir uns so viel mit den Strukturen beschäftigen.“ Die CDU-Nachwuchsorganisation Schülerunion schloss sich an.
In einer Stellungnahme hieß es, es gebe weder geeignete Gebäude zur Unterbringung der Primarschulen, noch sei das Konzept schlüssig; der Zeitpunkt der Einführung sei unüberlegt früh gewählt worden. Bei dem „Reform-Chaos“ gehe das Ziel, die Unterrichtsqualität zu verbessern, verloren.
Der SPD-Bildungsexperte Ties Rabe erklärte, der schwarz-grüne Schulfrieden beginne zu bröckeln. Mit dem Start der zweiten Konferenzrunde setzt die Behörde darauf, dass die Gremien tragfähige Lösungen erarbeiten.
