Hamburgs Olympia-Bewerbung: Bürgerentscheid am 31. Mai 2026 wird zum Schlüsselmoment

Der 31. Mai 2026 wird der wichtigste Tag für Hamburgs Olympia-Bewerbung. Dann stimmen die Hamburgerinnen und Hamburger nicht einfach mit Ja oder Nein, sondern setzen mit dem Ausmaß ihrer Unterstützung ein Signal. Weil die Konzepte aller vier deutschen Kandidaten – Berlin, Hamburg, Köln und München – in wesentlichen Punkten ähnlich sind, dürfte der in Prozenten gemessene Rückhalt den Ausschlag geben.
Ende des Sommers dürfte schließlich feststehen, welchen Kandidaten der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ins Rennen schickt. Nicht nur national, vor allem international ist die Konkurrenz groß. München hat zuletzt vorgelegt: 66,4 Prozent stimmten dort für eine Bewerbung.
Hamburg nimmt sich mehr Zeit – genau ein Jahr. Am 31. Mai 2025 stellte die Stadt ihr Olympiakonzept 2.0 im BUNKER St. Pauli vor. Draußen machte eine kleine, aber laute NOlympia-Gruppe darauf aufmerksam, dass die Bevölkerung vor zehn Jahren bereits gegen Spiele votiert habe und dieses Votum gültig sei.
Der Bürgerentscheid von 2015 fiel knapp aus und war für die Befürworter bitter. Überschattet war die Abstimmung von den Terroranschlägen in Paris im November 2015 und der wegen Terrorverdachts kurzfristig abgesagten Länderspiel-Begegnung in Hannover. Vor allem fehlte damals politischer Rückhalt aus der Bundesregierung unter Angela Merkel; finanzielle Zusagen, wie sie jetzt aus dem Kabinett Merz kommen, gab es nicht.
Zudem galt die damalige Bewerbung als umstritten, weil viele Neubauten auf der grünen Wiese vorgesehen und die Pläne entsprechend ambitioniert und teuer waren.
Als sich während der Sommerspiele 2024 in Paris eine DOSB-Bewerbung konkretisierte, kursierte zwischenzeitlich die Idee einer Achse Leipzig–Berlin–Hamburg mit der Hauptstadt als zentralem Schauplatz und Juniorpartnern im Osten und Westen – ein charmanter Ansatz für 2040, dem Jahr des 50.
Jubiläums der Deutschen Wiedervereinigung. Berlin verfolgte jedoch eigene Pläne, und auch Hamburg ging schließlich seinen Weg. Am 31. Mai 2025 präsentierten Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther das aktualisierte Konzept, in dem Kiel als Juniorpartner vorgesehen ist.
Tschentscher sprach von einer Symbiose aus Stadtentwicklung und bestehenden Sportstätten und hob im Vergleich zu 2015 den stärkeren Umweltfokus hervor. Vorzeigeprojekt ist das geplante Olympische Dorf in der Science City Bahrenfeld. Die Sportstätten sollen in zwei Clustern mit kurzen Wegen gebündelt werden – zwischen City und Millerntorstadion sowie in Altona.
Nach Angaben von Innensenator Andy Grote sind etwa 80 Prozent der notwendigen Anlagen bereits vorhanden; was neu gebaut wird, müsse bis 2040 ohnehin erneuert werden. Ein zentrales Thema ist ein neues Stadion für den Hamburger SV.
Bis zur Entscheidung des DOSB bleibt der Druck hoch: Der Ausgang der Hamburger Bürgerbefragung Ende Mai 2026 dürfte maßgeblich sein – und danach die Frage, wie sich der nationale Bewerber gegen die starke internationale Konkurrenz behaupten kann.
