Greenpeace-Analyse: Bregenz vorn beim Innenstadtgrün, Wien, St. Pölten und Innsbruck Schlusslichter

Österreichs Stadtzentren unterscheiden sich beim Grün deutlich stärker als gedacht. Das zeigt eine am Freitag veröffentlichte Analyse der Umweltorganisation Greenpeace. Während Stadtränder und Vororte oft großzügige Grünflächen bieten, sind die Kerne vieler Landeshauptstädte stark versiegelt.
Fachleute sehen zwar Fortschritte, fordern aber mehr Mut, den Straßenraum neu zu denken. Für die Auswertung definierte Greenpeace die Stadtkerne der Landeshauptstädte anhand der Flächenwidmungspläne und berechnete anschließend anhand von Satellitenbildern den Anteil der Grünflächen innerhalb dieser Gebiete.
Im Ranking liegt Bregenz mit knapp 40 Prozent deutlich vor Linz (33 Prozent) und Graz (32 Prozent). Salzburg, Klagenfurt und Eisenstadt kommen jeweils auf knapp unter 30 Prozent. Am Ende des Feldes stehen Wien mit 26 Prozent sowie St. Pölten und Innsbruck mit jeweils 25 Prozent.
„Grünräume müssen als vernetztes System im gesamten Stadtgebiet geplant und umgesetzt werden“, heißt es in einer Presseaussendung von Greenpeace. So lasse sich die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Städten sichern und zugleich Lebensraum für zahlreiche Arten schaffen.
Mehr Grün in der Stadt dämpft zudem Hitze, betonen Landschaftsarchitektinnen und -architekten. Bäume wirken als natürliche Klimaanlagen: Sie spenden Schatten, nehmen wärmende Sonnenstrahlen auf, binden Kohlenstoffdioxid und speichern Wasser, das bei Verdunstung die Umgebung kühlt, erläutert Jürgen Furchtlehner vom Institut für Landschaftsarchitektur der Universität für Bodenkultur in Wien.
„Bäume sind das Um und Auf“, sagt auch Katrin Hagen vom Forschungsbereich Landscape an der Technischen Universität Wien. Richtig gestaltete Grünflächen böten einen großen Mehrwert für Erholung und Stadtklima und könnten langfristig Kosten senken, etwa im Gesundheitsbereich oder beim Hochwasserschutz.
Die Dringlichkeit unterstreichen die Hitzestatistiken: In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zahl der Hitzetage in allen Landeshauptstädten drastisch erhöht. In Innsbruck stieg der durchschnittliche Wert von neun Hitzetagen pro Jahr (1961 bis 1990) auf 32 in den Jahren 2021 bis 2025.
In Bregenz nahm die Zahl im selben Vergleich von rund drei auf 14 zu. Als Orientierung nennt Furchtlehner einen Radius von 300 Metern: In dieser Distanz sollte jede und jeder einen Park erreichen können – auch für ältere Menschen und Kinder gut zu bewältigen. Konkrete Beispiele zeigen, wo es vorangeht und wo Defizite bestehen.
Positiv fällt in Bregenz die Seepromenade mit vielen Bäumen und Grünflächen auf; Bäume entlang des Bodensees sorgen für ausreichende Beschattung, dazwischen liegende Grüninseln werten selbst versiegelte Parkplätze auf. Im Linzer Stadtkern tragen zunehmend begrünte Innenhöfe und Dächer zum Grünflächenanteil bei.
Graz punktet im Zentrum mit großen Grünräumen – nahe der Mur, im Volksgarten, am Schlossberg und im Stadtpark. In Innsbruck bemängelt Greenpeace fehlende Begrünung in Fußgängerzonen, auf öffentlichen Plätzen und in Innenhöfen, die häufiger als Parkplätze denn als grüne Inseln genutzt werden.
Die Analyse legt nahe: Wenn Städte den Straßenraum konsequent neu denken und Grünflächen als zusammenhängendes System planen, lässt sich sowohl die Hitzebelastung mindern als auch die Aufenthaltsqualität erhöhen.
