Geplantes Eintrittsgeld im Kölner Dom: »Einige Besucher verhalten sich immer respektloser«

Domschweizerin Arnold-Reitgruber: »Eine Schlange, selbst wenn sie ›ein Geschöpf Gottes‹ ist, muss draußen bleiben« »Morgens um Viertel vor sechs schließe ich den Kölner Dom auf. Meine Kollegen und ich verteilen uns in unseren roten Gewändern auf unsere Posten: mindestens zwei am Eingang, einer beim goldenen Schrein mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige.
Wenn es voll wird, arbeiten wir auch mal zu zehnt oder elft. Wir Domschweizer sind die Wächter des Kölner Doms. Bis zu 30.000 Besucher heißen wir täglich willkommen. Manche von ihnen kommen auf die wildesten Ideen: Vor Kurzem wollte einer auf dem glatten Boden Rollschuh fahren, ein anderer holte eine Schlange aus seinem Rucksack.
Besonders beliebt ist das Auf-den Altar-springen-und-Singen. Wir erklären dann freundlich, dass dies nicht erlaubt ist und eine Schlange, selbst wenn sie ›ein Geschöpf Gottes‹ ist, draußen bleiben muss. Manche Diskussionen erfordern Geduld: Warum darf ich hier nicht rauchen?
Warum darf mein Kind nicht mit dem Fahrrad durch den Dom fahren? Mit dem miserabel geplanten Irankrieg stürzt Donald Trump die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte ins Chaos. Wie groß ist die Gefahr eines Crashs? Lesen Sie unsere Titelgeschichte, weitere Hintergründe und Analysen im digitalen SPIEGEL.
Ursprünglich komme ich aus Baden-Württemberg und wollte Ergotherapeutin werden. Doch während meines Sportstudiums in Köln lernte ich jemanden kennen, blieb hier und begann, im Flughafen Köln/Bonn zu arbeiten. Dort machte ich im Kern das Gleiche, was auch heute zu meinen Aufgaben gehört: gestrandete Menschen auffangen.
Am Flughafen waren es aufgelöste Passagiere ohne Reisepass. Im Dom sind es Besucher, die Zuwendung brauchen. Weint jemand in der Ecke, frage ich nach. Sucht jemand ein Gespräch über den Lebenssinn, höre ich zu.
Ein älterer Herr, Stammgast, sagte einmal zu mir: ›Wenn Sie morgens so nett Hallo sagen, dann kann der Tag losgehen.‹ Obwohl der Dom demnächst Eintritt kosten wird – wie viel, ist bislang offen –, sollen diese Menschen weiterhin kostenlos beten und Kerzen anzünden können.
Wir tüfteln an einem Konzept, bei dem die Gebühr nur für eine Besichtigung anfällt. Ich mache diesen Job seit sechs Jahren, mein Eindruck ist: Einige der Besucher verhalten sich immer respektloser. Dem Eintrittsgeld kann ich deshalb etwas abgewinnen. Wer einen kleinen Obolus zahlt, wertschätzt den Besuch im Kölner Dom vielleicht wieder mehr.«
