Frankfurter Polizeipräsident: „Die Zündschnur vieler Menschen ist kurz“ - Polizeiliche Kriminalstatistik 2025

JOURNAL FRANKFURT × Foto: Symbolbild © Jannis Seelbach Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 Frankfurter Polizeipräsident: „Die Zündschnur vieler Menschen ist kurz“ Favorisieren Teilen Die Frankfurter Polizei sieht eine Korrelation zwischen einer verrohten Gesellschaft und der Anzahl von Straftdelikten.
Auch muss sie sich vermehrt mit einem neuen Verbrechenstrend beschäftigen. Gestern (25. März) hat die Frankfurter Polizei die amtliche Kriminalstatistik für das vergangene Jahr vorgestellt. Die Fallzahlen im Zuständigkeitsbereich sind im Vergleich zu 2024 nahezu identisch geblieben.
Laut Polizei gibt es lediglich „einen unwesentlichen Anstieg um 336 Taten“. Insgesamt wurden 113 603 Straftaten festgestellt. Die Aufklärungsquote (AQ) liegt mit 62,5 Prozent über der 50-Prozent-Marke. Damit ist sie ähnlich wie 2024 (63,7 Prozent).
Polizei: Raues Klima führt zu mehr Delikten Vermehrt wurden Straftaten der Beleidigung (+ 337 Fälle), der Bedrohung (+ 288 Fälle) und der Körperverletzung (+ 860 Fälle) festgestellt – und das im vierten Jahr in Folge. Waren es 2024 noch 14 520 Delikte, sind es 2025 schon 16 005.
Die Polizei geht davon aus, dass die vielen aufeinanderfolgenden Krisen seit der Coronapandemie und die damit verbundenen Unsicherheiten sich in der Anzahl der Beleidigungen und Rohheitsdelikte widerspiegeln. Frankfurts Polizeipräsident Stefan Müller meint: „Die Zündschnur vieler Menschen ist kurz, der Umgang innerhalb der Gesellschaft rau.
Seit der Coronapandemie sind die Menschen vielen weiteren Krisen ausgesetzt. Das bleibt nicht ohne Folgen – das spüren wir unmittelbar im Verhalten der Menschen.“ Der Übergang von Beschimpfungen im Netz über wechselseitige Beleidigungen in Alltagssituationen bis hin zu körperlichen Auseinandersetzungen sei „fließend“.
Auch die Anzahl politisch motivierter Straftaten gegenüber Amtsträgern steigt (2025: 59 Fälle; 2024: 52 Fälle), ebenso wie die Anzahl von Gewalttaten gegen Polizisten (2025: 955 Fälle; 2024: 824 Fälle) und Rettungskräften (2025: 52 Fälle; 2024: 36 Fälle). Prozentual ausgedrückt: Die Anzahl dieser Fälle ist um 44 Prozent gestiegen.
Verbrechen als Dienstleitung? Bei den obigen Delikten handelt es sich um Straftaten, die oftmals nach denselben, für die Polizei altbekannten Mustern ablaufen. Nun müssen die Frankfurter Vollzugsbeamten allerdings mit einem neuen Verbrechens-Trend umgehen. „Violence as a Service (VaaS)“ stammt aus dem europäischen Ausland und hat 2025 die Mainmetropole erreicht.
Das neue Muster: Oftmals minderjährige Personen aus dem Ausland werden für Straftaten in Deutschland rekrutiert. Die Anstifter sitzen meistens selbst im Ausland und finanzieren die Tat. Ein Vermittler schafft die Voraussetzungen für die Tat – Logistik, Werkzeuge, Kontakte, Geld – und der Rekrutierte begeht diese.
Sieben Taten zwischen Juli und September 2025 rechnet die Frankfurter Polizei diesem Muster zu. Die Tatorte liegen unter anderem in Frankfurt, Taunusstein, Offenbach und Neu-Isenburg. Neben Sprengstoffexplosionen fällt darunter auch ein Brandanschlag auf ein Café in Bockenheim.
Für diese Tat ist der 15-jährige Täter am Montag (23. März) zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.
Der Leiter der Kriminaldirektion, Viktor Lekic, sagt: „VaaS wird uns auch zukünftig beschäftigen – denn inzwischen werden die ausführenden Personen nicht mehr nur im Ausland, sondern auch vor unserer Haustür im Rhein-Main-Gebiet rekrutiert.“ Betäubungsmitteldelikte um ein Viertel gesunken Seit dem vergangenen Jahr führt die Polizei vermehrt großangelegte Rauschgift-Kontrollen durch.
Die Polizei resümiert: „Die Fallzahlen in diesem Deliktsfeld konnten über zahlreiche großangelegte Kontrollmaßnahmen in Verbindung mit intensiver Ermittlungsarbeit mehr als verdoppelt werden (von 336 auf 745).“ Die Bekämpfung der Dealerszene endet aber nicht mit deren Festnahme und einem Ermittlungsverfahren.
Auch langfristige Aufenthaltsverbotsverfügungen (AVV) für den Bereich des Bahnhofsgebietes wurden ausges…
