«Euphoria» entfacht neue Debatte im Netz

Die Figur Cassie in der neuesten Staffel «Euphoria» sorgt als devote Hündin auf Onlyfans für Kritik. Eine Schweizer Creatorin spricht über den Druck zu immer erniedrigenderem Content. Die neue Staffel von «Euphoria» sorgt für Diskussionen. Im Zentrum steht erneut die Figur Cassie, gespielt von Sydney Sweeney, die sich so freizügig zeigt wie nie zuvor.
Besonders Szenen, in denen sie sich als devot inszenierte Hündin oder in einer provokativen Baby-Ästhetik mit gespreizten Beinen präsentiert, sorgen für Zündstoff. Eine Off-Stimme beschreibt sie als «wunderschön, aber ziellos» und als jemanden, der so verzweifelt nach Aufmerksamkeit suche, dass sie bereit sei, sich selbst zu erniedrigen und sich dabei zu verlieren.
Die Zürcherin Patrizia (29), die unter dem Namen Peachypaulina auf Onlyfans aktiv ist, sieht die Darstellung in der Serie differenziert. Zwar sei sie grundsätzlich Fan, doch die Figur Cassie zeichne aus ihrer Sicht ein verzerrtes Bild von Onlyfans-Models: «Es wird so dargestellt, als hätten wir alle keine Kontrolle über unser Handeln – das stimmt so nicht», sagt sie.
Gleichzeitig räumt sie ein, dass mit wachsender Reichweite auch der Druck steigen kann: Wer mehr Aufmerksamkeit wolle, müsse oft weiter gehen. «Ich selber habe eine hohe, mir genügende Anzahl an Fans – da ist der Druck nicht so extrem.» Dass die Darstellung einer Frau als Hund an der Leine oder die Babyinszenierung für manche erniedrigend wirken, könne sie nachvollziehen.
Das sei jedoch eine Frage der persönlichen Wahrnehmung. Sie habe selbst Shootings gemacht, in denen sie an der Leine inszeniert wurde: «Ich fühle mich dabei jeweils nicht unwohl. Im Gegenteil – es turnt mich an, den unterwürfigen Part zu übernehmen», sagt sie offen.
Es handle sich um Fetische, die man als Content Creator gezielt bediene: «Es gibt genügend Männer, die darauf stehen.» Für sie liegt die Verantwortung deshalb nicht nur bei den Frauen. «Man sollte sich eher fragen, warum genau solche Sachen so gefragt sind. Die Nachfrage kommt ja nicht von uns…
Was «Euphoria» inszeniert, ist auf Social Media und Onlyfans längst Realität – und oft noch radikaler. Internationale Influencerinnen wie «itsthattraddiegirl» oder «itsthatkiwigirl» inszenieren sich in sexuell zweideutigen Clips in Ställen wo sie sich von Kühen mit Urin, Kot oder Milch bespritzen lassen.
Wer mehr sehen will, wird direkt auf Onlyfans mit kostenpflichtigen Inhalten weitergeleitet. Diese Entwicklung hin zu immer extremeren Inhalten sieht Patrizia kritisch. Dass sich Influencerinnen sogar unterwürfig vor Tieren darstellen, gehe für sie klar zu weit.
«Das ist für mich zu radikal. Eigentlich steht der Mensch ja über dem Tier», sagt sie. Besonders störend findet sie, dass echte Tiere Teil solcher Inszenierungen werden. Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.
