Erstmals Frau an OMV-Spitze: Nominierungsausschuss schlägt BP-Managerin Emma Delaney vor

Die OMV steht vor einer Premiere: Erstmals soll eine Frau an die Spitze des teilstaatlichen Energie- und Chemiekonzerns rücken. Der Nominierungsausschuss hat am Freitag die BP-Managerin Emma Delaney als Vorstandsvorsitzende und Nachfolgerin von Alfred Stern vorgeschlagen.
Delaney soll das Amt mit 1. September übernehmen, vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats, die bei dessen nächster Sitzung ansteht und allgemein als Formsache gilt. Delaney wäre damit nicht nur die erste Frau an der Spitze der OMV, sondern voraussichtlich auch die einzige Vorstandsvorsitzende unter allen ATX-Unternehmen.
Zuletzt war dieser Kreis nach dem Ausscheiden der CPI-Europe-Chefin Radka Doehring im Sommer 2025 rein männlich besetzt. Vorgesehen ist laut OMV ein Vertrag über drei Jahre, der in beiderseitigem Einvernehmen um zwei weitere Jahre verlängert werden kann. Zudem soll der Vertrag von Finanzchef Reinhard Florey um zwei Jahre verlängert werden.
Die Irin verfügt laut OMV über drei Jahrzehnte Erfahrung in der Branche. Bei BP leitet sie derzeit einen Geschäftsbereich mit mehr als 50.000 Beschäftigten und ist für die Bereiche Kraftstoffe, Schmierstoffe sowie E-Mobilität verantwortlich. Sie bringe ausgewiesene Kenntnisse in Exploration, Förderung, Raffinierung und Verkauf fertiger Ölprodukte sowie im LNG-Geschäft mit.
Die designierte Konzernchefin soll perfekt Deutsch sprechen. An der Wiener Börse notierten OMV-Aktien zuletzt 2,6 Prozent im Minus bei 58,95 Euro. Die Bundesregierung begrüßte die Personalie als starkes Signal für den teilstaatlichen Konzern.
Bundeskanzler Christian Stocker und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (beide ÖVP) erklärten, Delaney verfüge über das nötige Know-how und werde das Unternehmen mit Fokus auf österreichische Interessen führen. Hattmannsdorfer forderte von der künftigen Chefin den Ausbau des Auslandsgeschäfts durch Partnerschaften, mehr Versorgungsunabhängigkeit und die Fortsetzung des Umbaus hin zu Chemie und Kunststoff.
Die Staatsholding ÖBAG hält 31,5 Prozent an der OMV, ADNOC aus Abu Dhabi 24,9 Prozent. Delaney würde in einer geopolitisch und strategisch anspruchsvollen Phase übernehmen. OMV-Chef Alfred Stern hatte die Führung im September 2021 übernommen und angekündigt, nach dem Auslaufen seines Vertrags Ende August 2026 nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen.
Unter seiner Leitung trieb die OMV den strategischen Umbau weg vom klassischen Öl- und Gasgeschäft hin zu Chemie und Kreislaufwirtschaft voran. Als größten Erfolg nannte der 61-Jährige die mit dem Kernaktionär ADNOC ausgehandelte Fusion von Borealis und Borouge sowie die Übernahme der kanadischen Nova Chemicals.
Die lange verhandelte Gründung des neuen Konzerns Borouge International wurde Ende März abgeschlossen; durch den Zusammenschluss entsteht der weltweit viertgrößte Polyolefin-Produzent mit einer Kapazität von 13,6 Millionen Tonnen pro Jahr. Analysten von RBC Europe sehen die OMV nun in einer neuen Phase der Neuausrichtung.
Nach dem starken Fokus auf das Chemiegeschäft unter Stern rücke die Gasförderung (Upstream) wieder stärker in den Mittelpunkt. Delaneys Hauptaufgabe werde es sein, eine Wachstumsstory jenseits der Chemie aufzubauen, da Investoren zunehmend auf die Langlebigkeit der Ressourcen achteten, schrieben die Experten.
Dass Finanzchef Florey an Bord bleibe, sei ein wichtiges Signal für Kontinuität und dämme kurzfristige Unsicherheiten durch den Führungswechsel ein. Zudem dürften die geopolitischen Risiken im Nahen Osten Delaneys Amtszeit prägen. Die Entscheidung des Aufsichtsrats steht noch aus.
Mit dessen Zustimmung könnte Delaney am 1. September an die OMV-Spitze rücken – und damit ein Kapitel aufschlagen, das für den Konzern und die österreichische Unternehmenslandschaft Signalwirkung hätte.
