Doppelte Blockade am Hormus: Warum die britische Seeblockade von 1951 Irans Misstrauen bis heute nährt

Die für den weltweiten Ölhandel zentrale Strasse von Hormus steht unter doppeltem Druck: Seit Kriegsbeginn Ende Februar erschwert Iran die Passage von Tankern und Frachtern. Nach gescheiterten Friedensverhandlungen mit Teheran riefen die USA am Montag zudem eine Blockade der Handelsroute für alle Schiffe aus, die iranische Häfen anlaufen oder von dort ablegen.
Teheran bezeichnete diesen Schritt als Piraterie und drohte, im Gegenzug Häfen anderer Golfstaaten anzugreifen. Zudem besteht die Gefahr, dass China als grosser Abnehmer iranischen Öls in den Konflikt eingreifen könnte. Schliesslich könnte die US-Blockade zum Ende der Waffenruhe führen – mit potenziell verheerenden Folgen.
Was die USA mit ihrer Blockade erreichen können, bleibt abzuwarten. Die Geschichte deutet jedoch darauf hin, dass eine Seeblockade allein kaum ausreicht, um in Teheran eine Kursänderung zu erzwingen. Das musste Grossbritannien Anfang der 1950er-Jahre erfahren, als London vergeblich versuchte, mit einer Blockade die Verstaatlichung der unter britischer Kontrolle stehenden iranischen Ölfelder rückgängig zu machen.
Die Wurzeln des Konflikts reichen bis 1903 zurück, als der britische Unternehmer William Knox D’Arcy im Westen Irans auf Erdöl stiess. Das britische Empire erkannte rasch die Tragweite des Fundes und sicherte sich bis 1914 die volle Kontrolle über das iranische Ölgeschäft.
Die Einnahmen der Anglo-Persian Oil Company (Apoc, heute BP) flossen praktisch gänzlich nach London, während ein Grossteil der damals rund 16 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Irans in Armut lebte. 1951 änderte sich die Lage. Der Schah ernannte den national-liberalen Mohammad Mossadegh zum Premierminister.
Der populäre 71-Jährige trieb umgehend die bereits unter seinem Vorgänger beschlossene Verstaatlichung des iranischen Öls voran. London war nicht bereit, dies kampflos hinzunehmen: Nach gescheiterten Verhandlungen verhängte Grossbritannien eine Seeblockade gegen alle Schiffe, die iranisches Öl transportierten – Öl, das die Briten als Eigentum der Apoc betrachteten.
Zusammen mit einem Handelsembargo sollte die Blockade eine Wirtschaftskrise auslösen und die Regierung Mossadegh zur Rücknahme der Verstaatlichung drängen. Tatsächlich verschärfte sich die finanzielle Lage Irans dramatisch. Mossadegh blieb jedoch standhaft und lehnte eine Rückgabe der Ölfelder ab.
Mit der Blockade allein brachte London Teheran nicht zu Fall. Stattdessen wirkte der Druck indirekt: Die wachsenden wirtschaftlichen Probleme schwächten Mossadeghs Rückhalt, und er war vermehrt auf die Unterstützung der kommunistischen Tudeh-Partei angewiesen.
Diese Konstellation nutzte Premier Winston Churchill, um US-Präsident Dwight Eisenhower vor einer kommunistischen Gefahr im Iran zu warnen. London und Washington kamen rasch überein, dass Mossadegh entmachtet werden sollte. 1953 folgte ein von den Geheimdiensten CIA und MI6 inszenierter Staatsstreich: Mossadegh wurde gestürzt, sein amerikafreundlicher Nachfolger machte die Verstaatlichung der Ölfelder rückgängig.
Für die USA und Grossbritannien war dies ein Erfolg – im Iran brannte sich der Eingriff jedoch tief ins kollektive Gedächtnis ein. Das daraus erwachsende Misstrauen gegenüber dem Westen hält bis heute an. Vor diesem Hintergrund ist offen, ob die aktuelle US-Seeblockade das Regime in Teheran zu Zugeständnissen bewegt.
Klar ist hingegen: Die Risiken einer weiteren Eskalation sind beträchtlich – von Vergeltungsschlägen auf Häfen anderer Golfstaaten bis hin zu einer Einbeziehung Chinas und einem möglichen Ende der Waffenruhe.
