Die Geschichten hinter den Tattoos der Fussballstars: Flucht, Trauer und grosse Träume

Tinte als Lebenslauf: In der Fussballwelt sind Tattoos allgegenwärtig – und viele Motive stehen für prägende Erlebnisse, Überzeugungen und Verluste. Hinter der Körperkunst stecken oft Geschichten, die weit über Dekoration hinausgehen.
Beim Schweizer Valon Behrami wurde 2017 eine ganze Szenerie zur Erinnerung: zerbombte Häuser, Stacheldraht und Patronenhülsen; ein Junge mit einem Ball; darüber eine unversehrte Brücke, ganz oben eine Friedenstaube. Die Bilder stehen dafür, wie der Konflikt zwischen Serben und Albanern im Kosovo 1989 zu eskalieren beginnt.
Behramis Familie flieht, als er vier Jahre alt ist. Die Brücke symbolisiere die verschiedenen Ethnien in seiner Geburtsstadt Mitrovica – und die Flucht in die Schweiz, erklärte er damals. Der ehemalige Fussballer Zlatan Ibrahimović ist für seine vielen Tattoos bekannt.
2015 trug er plötzlich 50 Namen auf dem Oberkörper – Namen von Menschen, die Hunger leiden. Damit unterstützte er das Welternährungsprogramm (WFP) und dessen Projekt „805 Millionen Namen“, das auf den weltweiten Hunger aufmerksam machen sollte. „Ich habe überall auf der Welt Menschen, die mich unterstützen.
Aber ich möchte, dass diese Unterstützung den Menschen zugutekommt, die sie wirklich benötigen“, sagte er in einem Video zur Kampagne. Kurz nach einem Spiel, bei dem er die Schriftzüge entblösste, verschwanden sie wieder – die Tattoos waren nur temporär. Auch in der Schweiz setzt ein Profi auf ein Statement: GC-Stürmer Michael Frey trägt seinen eigenen Namen auf der Brust.
Gefragt nach dem Motiv sagte er: „Ich habe nicht die ganze Karriere für denselben Club gespielt, für meinen Namen aber schon.“ Der Deutsche Leroy Sané liess sich 2017 in riesiger Jubelpose selbst auf den Rücken tätowieren. Das Motiv wurde breit diskutiert, viele fanden es eitel.
Vor zwei Jahren räumte Sané in einem Interview ein, er bereue die Wahl: „Heute würde ich mich anders entscheiden.“ Und weiter: „Ich war jung und bin generell jemand, der zuerst gegen eine Wand laufen muss, um daraus zu lernen.“ Ein anderer Weltstar überwand erst um 2010 seine Angst vor Nadeln – und hörte danach kaum mehr auf: Heute trägt er zahlreiche Tattoos, darunter den Namen seines ersten Sohnes Thiago, eingerahmt in ein Herz und flankiert von dessen Handabdrücken.
Neymar wiederum trägt ein Bild eines barfüssigen Jungen vor einer Favela, mit Mütze und Ball unter dem Arm. Das Tattoo steht für seine Träume und Ziele aus der Kindheit – und dafür, dass er sie verwirklichte. Für heftige Debatten sorgte Raheem Sterling: Auf seiner rechten Wade prangt ein grosses Sturmgewehr.
Zeitungen kritisierten das Motiv scharf, in sozialen Medien wurde es als geschmacklos bezeichnet. Sterling erklärte daraufhin auf Instagram den Hintergrund: „Als ich zwei Jahre alt war, wurde mein Vater erschossen. Ich habe mir geschworen, nie eine Waffe in die Hand zu nehmen.
Stattdessen schiesse ich heute mit meinem rechten Fuss.“ Die Beispiele zeigen, wie Tattoos im Fussball zu biografischen Markern geworden sind – als Erinnerungen an Flucht und Verlust, als Hommage an Familie oder als Mahnung und Motivation. Für viele Profis sind sie ein sichtbares Archiv der eigenen Geschichte – auf dem Rasen und darüber hinaus.
