Deutschland fällt aus UN-Top Ten der Innovation – Tempo, Bürokratie und Investitionen im Fokus

Deutschland ist aus den Top 10 der innovativsten Länder herausgefallen. Im Innovationsranking der Vereinten Nationen liegt die Bundesrepublik nun auf Platz 11 – hinter China. Der Befund schärft die Debatte darüber, wie Deutschland Tempo, Regulierung und Investitionen austarieren muss, um im globalen Wettbewerb nicht zurückzufallen.
Gleichzeitig setzen Unternehmen Zeichen: Der Hamburger Technologiekonzern Körber AG investiert mehr als 200 Millionen Euro in eine neue Fabrik in der Hansestadt. Vorstandschef Stephan Seifert begründet das Engagement mit dem Bedarf an neuer Schlagkraft – und warnt: Das Innovationstempo in China sei „geradezu brutal“.
Um mitzuhalten, müsse die deutsche Wirtschaft schneller werden. Die Regulierungslast bleibt ein zentraler Streitpunkt. Seit 2022 wurden laut einer Untersuchung des IAB 325.000 neue Stellen geschaffen, um wachsende Bürokratie zu bewältigen. Viele Unternehmen beklagen demnach steigende Kosten und sinkende Innovationskraft.
Als Hauptproblem wird häufig die DSGVO genannt. Auch aus der Politik kommen deutliche Töne. Im Podcast „For Professional Investors Only“ blickt der frühere Wirtschaftsminister und ehemalige Vizekanzler Robert Habeck auf die Wirtschaftspolitik zurück. Es fehle an Schnelligkeit und an Wachstum durch Innovation, sagte er.
Die Behebung der Probleme sei komplexer, als schlicht weitere Sondervermögen zu verteilen. Der Ökonom Jochen Andritzky beschreibt Deutschland im Interview als Land am Wendepunkt: Zwischen Regulierung, Reformstau und Zukunftszweifeln reiche Verwaltung allein nicht mehr aus.
Nötig seien klare Weichenstellungen, damit aus Stillstand wieder Aufbruch werde – „typisch für Gesellschaften, in denen das Wachstum ausbleibt“. Auch die neue Regierung setzt Akzente. Erstmals seit seiner Wahl zum Bundeskanzler hat Friedrich Merz Baden-Württemberg besucht und in Stuttgart an einer Sitzung des grün-schwarzen Kabinetts teilgenommen.
Er lobte die Industrie und Innovationsfreude des Landes – auch im Vergleich zum CSU-regierten Bayern. „Das wird Markus Söder nicht gerne hören“, hieß es dazu. Ob der Rückfall im UN-Ranking ein Ausrutscher bleibt, dürfte davon abhängen, ob Wirtschaft und Politik Verfahren beschleunigen, Bürokratie abbauen und gezielt investieren.
Die aktuelle Mischung aus Investitionsbereitschaft, Sorgen über Regulierung und dem Ruf nach mehr Tempo zeigt, wie umkämpft der Weg zurück in die Spitzengruppe ist.
