Deutsche Start-ups holen auf: 7,4 Milliarden Dollar Wagniskapital in 2025 erwartet

Deutschland etabliert sich als europäischer Spitzenreiter im Tech-Sektor: Start-ups hierzulande dürften 2025 rund 7,4 Milliarden Dollar (etwa 6,4 Milliarden Euro) an Wagniskapital einsammeln – ein Plus von gut zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das geht aus dem elften Jahresbericht des Londoner Risikokapitalgebers Atomico hervor.
Damit liegt Deutschland hinter Großbritannien auf Platz zwei in Europa, wo die Investitionen insgesamt um sieben Prozent auf 44 Milliarden Dollar steigen sollen. Besonders gefragt sind Deep-Tech- und KI-Lösungen, die zusammen 36 Prozent der europäischen Investitionen ausmachen.
Ein rasanter Anstieg zeigt sich auch im Rüstungssektor: Die Finanzspritzen für technologische Innovationen in der Branche stiegen um 55 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. Vorreiter ist das Münchner Start-up Helsing, das sich auf KI für Rüstungsunternehmen spezialisiert hat und im Juni rund 660 Millionen Dollar einsammelte.
Doch während Europa bei Gründungen mit den USA gleichzieht, klafft bei der Finanzierung eine tiefe Lücke. „Technologie ist heute kein bloßer Wirtschaftszweig mehr, sondern formt Verwaltung, Verteidigung, Energieversorgung und Gesundheitswesen“, betont Tom Wehmeier, Partner bei Atomico.
Doch während in den USA 2025 rund 146 Milliarden Dollar in KI fließen – mehr als das Zehnfache des europäischen Volumens –, fehlt es hierzulande an Risikokapital, sobald Start-ups wachsen. Besonders Pensionsfonds investieren in Europa nur ein Drittel dessen, was ihre US-Pendants bereitstellen.
Atomico fordert daher einen europaweiten Rahmen, der Gründern ermöglicht, „innerhalb von 48 Stunden digital zu gründen, Kapital einzusammeln und grenzüberschreitend zu agieren“. Zudem müsse die Zusammenarbeit zwischen Großunternehmen und Start-ups gestärkt werden: In den USA arbeiten 50 Prozent der Konzerne mit jungen Tech-Firmen zusammen, in Europa sind es nur 20 Prozent.
Auch bei öffentlichen Aufträgen für Innovationen hinkt Europa hinterher – hier fließen nur neun Prozent der Mittel in Start-ups, in den USA sind es 20 Prozent.
