DDG und VDBD legen Fünf-Punkte-Plan für Versorgung von ME/CFS-Betroffenen mit Diabetes vor

Wenn Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) und Diabetes zusammentreffen, wird die Versorgung zur Gratwanderung. Nach Schätzungen sind in Deutschland rund 650.000 Menschen von ME/CFS betroffen.
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) haben nun fünf Behandlungsgrundsätze für Patientinnen und Patienten mit beiden Erkrankungen vorgelegt.
ME/CFS betreffe nicht nur das Immunsystem, sondern auch das Nervensystem, die Gefäßregulation und den Energiestoffwechsel, sagte Carmen Scheibenbogen, stellvertretende Leiterin des Instituts für Medizinische Immunologie und Leiterin des Arbeitsbereichs Immundefekte und Postinfektiöse Erkrankungen an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Tritt ME/CFS gemeinsam mit Diabetes auf, könnten sich Symptome und Therapien gegenseitig beeinflussen. Störungen des autonomen Nervensystems bei ME/CFS führten dazu, dass Blutzuckerabfälle und -schwankungen schlechter wahrgenommen oder mit Kreislaufproblemen verwechselt werden, warnte sie.
Unterzuckerungen oder mit Diabetes assoziierte chronische, niedrig-gradige Entzündungen könnten zudem die Erschöpfung verstärken. Klassische Empfehlungen bei Typ-2-Diabetes – etwa regelmäßige Bewegung – seien bei ME/CFS häufig nur eingeschränkt umsetzbar. „Wir müssen die Realität der Betroffenen ernst nehmen“, sagte Kathrin Boehm, Diabetesberaterin aus Bad Mergentheim und Vorsitzende des VDBD.
Viele könnten ihren Alltag nur sehr begrenzt bewältigen; Standardprogramme überforderten sie. Die von DDG und VDBD formulierten Grundsätze setzen auf ein ganzheitliches Verständnis beider Erkrankungen und ihrer Wechselwirkungen. Starre Bewegungs- oder Therapiepläne gelten als kontraproduktiv; Belastung und Maßnahmen sollen sich an der täglichen Belastbarkeit orientieren.
Empfohlen werden einfache Behandlungspläne, klare Routinen und eine alltagstaugliche Ernährung, die auch kognitive Einschränkungen wie „Brain Fog“ berücksichtigt. Die Organisationen weisen außerdem auf ein erhöhtes Risiko für Blutzuckerschwankungen und unbemerkte Hypoglykämien hin.
Entsprechend sollte die Blutglukose engmaschig überwacht werden, wobei die Hypoglykämie-Prävention im Vordergrund steht. Leitgedanke der gesamten Versorgung ist, Überforderung zu vermeiden. „Wir brauchen mehr Wissen, mehr Forschung und vor allem mehr Aufmerksamkeit für diese Patientengruppe“, betonte DDG-Präsidentin Julia Szendrödi.
