Dax nähert sich Rekordhoch: Rally nach Öffnungszusage für Straße von Hormus, Ölpreise brechen ein

Ein geopolitischer Hoffnungsschimmer hat den Frankfurter Aktienmarkt am Nachmittag kräftig beflügelt. Nach der Ankündigung, die Straße von Hormus für die Dauer einer Waffenruhe wieder vollständig für den Handel zu öffnen, zog der Dax an und schloss 2,3 Prozent höher bei 24.702 Punkten.
Damit rückte der deutsche Leitindex wieder nahe an sein Rekordhoch von 25.508 Zählern. Der EuroStoxx50 gewann 2,0 Prozent auf 6.053 Punkte. Auslöser der Erleichterung an den Märkten war eine am Donnerstag vereinbarte zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon.
In der Folge gab der Iran die Straße von Hormus für die Dauer des Waffenstillstands in Libanon vollständig frei. Laut US-Präsident Donald Trump könnten sich zudem die Verhandlungsdelegationen der USA und des Iran bereits am Wochenende wieder treffen. Parallel sackten die Ölpreise deutlich ab: Brent aus der Nordsee verbilligte sich bis zum Handelsschluss in Frankfurt um 9,4 Prozent, US-Leichtöl WTI um 12,8 Prozent.
Anleger griffen zudem bei Staatsanleihen zu, wodurch die Renditen nachgaben. Mit den aufgehellten Friedensaussichten gingen Wetten auf weitere Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank zurück. Zu den größten Profiteuren des nachgebenden Ölpreises zählten Luftfahrt- und Reiseaktien: Lufthansa stiegen um 5,4 Prozent, Air France-KLM um 7,3 Prozent und IAG um 5,5 Prozent.
Die Aktie des Reiseanbieters TUI gewann 5,5 Prozent. Im Unternehmenssektor sorgte der angeschlagene Verpackungskonzern Gerresheimer für Schlagzeilen. Nach Angaben von mit der Angelegenheit vertrauten Personen hat das Unternehmen den Übernahme-Vorstoß des US-Rivalen Silgan zurückgewiesen; Gespräche zwischen beiden Firmen gebe es demnach nicht mehr.
Ein Insider erklärte, Gerresheimer wolle sich vorerst auf die Lösung seiner Bilanzierungsprobleme und den Verkauf der US-Tochter Centor konzentrieren. Bereits im März war dem Vernehmen nach eine unverbindliche Offerte von 41 Euro je Aktie an Gerresheimer herangetragen worden – mehr als doppelt so viel wie der damalige Börsenkurs.
Die Nachricht hatte die Gerresheimer-Aktie seinerzeit um 15 Prozent nach oben getrieben. Auch die Deutsche Bank stand im Fokus. Das Institut hat nach Angaben einer mit der Angelegenheit vertrauten Person die Aufsichtsbehörden über einen möglichen Verstoß gegen Sanktionsregeln informiert.
Im Raum steht die Vorgabe, Einlagen russischer Privatpersonen auf unter 100.000 Euro zu begrenzen. Der potenzielle Verstoß fiel demnach auf, nachdem die Bank zu Jahresbeginn eine Arbeitsgruppe zur Einhaltung verschärfter Sanktionsgesetze eingerichtet hatte.
Die Deutsche Bank erklärte, sie überprüfe ihre Sanktions-Compliance fortlaufend und informiere bei erkannten Schwachstellen proaktiv die zuständigen Behörden; weitere Details nannte sie nicht. Abseits klassischer Anlageklassen legte auch der Bitcoin weiter zu.
Er stieg, nachdem Irans Außenminister Abbas Araghchi nach dem Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon erklärt hatte, die Straße von Hormus sei für Handelsschiffe vollständig offen. Im Blick der Märkte bleiben nun die Entwicklung der Waffenruhe und mögliche Kontakte zwischen den USA und dem Iran.
Solange die Lieferwege im Golf offen bleiben und die Ölpreise unter Druck stehen, könnten konjunktursensible Branchen weiter Rückenwind verspüren – während die Erwartungen an die Geldpolitik der EZB gedämpfter ausfallen.
