Dax dreht ins Plus: Entspannung bei Ölpreisen – Blicke auf EZB und Tech-Bilanzen
Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag nach schwächerer Eröffnung die Kurve bekommen: Der Dax machte seine klaren Anfangsverluste bis zur Mittagszeit komplett wett und lag zuletzt 0,2 Prozent höher bei 23.995 Punkten. Am letzten Tag der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche zeichnet sich damit für den Leitindex ein Wochenminus von rund einem halben Prozent ab.
Der MDax rückte um 0,6 Prozent auf 30.190 Zähler vor, während der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 um 0,3 Prozent nachgab. Für die moderate Erholung sorgte vor allem, dass die Ölpreise etwas von ihren Mehrjahreshochs zurückkamen. Rohöl der Nordseesorte Brent zur Juni-Lieferung war zunächst bis auf 126,41 US-Dollar gestiegen – den höchsten Stand seit 2022 –, wurde zuletzt aber wieder unter 122 Dollar gehandelt.
Stimmungstreiber blieben zudem Quartalsberichte großer US-Technologiekonzerne und anstehende Zinsentscheide. Die am Mittwochabend vorgelegten Zahlen von Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta und Qualcomm hätten die Investoren nicht vollends zufriedengestellt, erklärte Analyst Andreas Lipkow von CMC Markets.
Am Donnerstag nach US-Börsenschluss legt mit Apple ein weiteres Mitglied der „Glorreichen Sieben“ nach. Die US-Notenbank Fed hatte am Vorabend den Leitzins wie erwartet unverändert gelassen; die Inflation bleibt in den USA ein zunehmend brisantes Thema. Am Nachmittag entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) über ihren Kurs.
Ökonomen erwarten, dass die EZB die Leitzinsen vorerst nicht ändert und zunächst die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Kriegs abwartet. Aus Branchensicht standen Halbleiterwerte, angefacht vom KI-Hype, hoch im Kurs. Aixtron stiegen nach Quartalszahlen um 2,6 Prozent und profitierten von der Nachfrage im Optoelektronik-Geschäft.
Infineon legten um 0,4 Prozent zu, nachdem sie zur Wochenmitte von guten Zahlen des niederländischen Chipkonzerns NXP profitiert hatten. Süss MicroTec erklommen ein Rekordhoch und lagen zuletzt 7,3 Prozent im Plus. Siltronic gewannen rund 4,5 Prozent.
Bei Einzeltiteln überzeugte die DHL Group: Der operative Gewinn (Ebit) im ersten Quartal stieg stärker als erwartet, und die freien Barmittelzuflüsse vor Zu- und Verkäufen von Unternehmensteilen fielen deutlich besser als prognostiziert aus. Der Umsatz sank derweil etwas stärker als geschätzt.
Die Jahresziele bestätigte der Logistikkonzern. Die Aktie führte den Dax mit einem Plus von 3,8 Prozent an. BASF bekam im ersten Quartal weiter Wettbewerbsdruck zu spüren. Der Umsatz schrumpfte um drei Prozent, das operative Ergebnis (Ebitda) ging um knapp sechs Prozent zurück.
Unter dem Strich stieg der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um knapp 15 Prozent, was mit Dividendenzahlungen aus der Beteiligung an Wintershall Dea zusammenhängt. Die Ziele für das Gesamtjahr bestätigte der Vorstand, die Aktie gab zuletzt 0,7 Prozent nach.
Beim Volkswagen-Konzern stand die Profitabilität unter Druck – in einem schwierigen Umfeld und wegen Kosten für die US-Einfuhrzölle. Die operative Marge lag bei 3,3 Prozent und damit rund 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert; im Schnitt waren 3,7 Prozent erwartet worden.
Das operative Ergebnis sank insgesamt um gut 14 Prozent, der Umsatz leicht. Die Vorzugsaktie verlor 0,6 Prozent. Der Triebwerksbauer MTU steigerte den Umsatz im ersten Quartal trotz eines negativen Umfelds und des schwachen US-Dollar um sechs Prozent. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (Ebit) wuchs ebenso stark und übertraf die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten.
Mit Blick auf den weiteren Verlauf richten sich die Augen der Anleger auf die EZB-Entscheidung am Nachmittag – und am Abend auf die Quartalszahlen von Apple. Für den Dax deutet sich trotz der Tageserholung ein Wochenverlust von rund einem halben Prozent an.
