Chefökonom warnt: In der Schweiz dürften die Preise bald deutlich anziehen

Schweizer Haushalte müssen sich nach Einschätzung von Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch auf spürbar höhere Preise einstellen. Zwar ist die Inflation aktuell tief, zeitweise lag sie 2025 bei nur rund 0,1 Prozent. Doch Minsch erwartet einen generellen Anstieg: Im Moment sei davon wenig zu merken, „aber das wird in einem Jahr anders sein“, so seine Einschätzung.
Die Schweizer Konjunktur tritt derweil auf der Stelle. Für 2025 wird ein Wirtschaftswachstum von rund 1,1 Prozent erwartet, für 2026 etwa 1,4 Prozent – beides unter dem langfristigen Durchschnitt. Laut der Konjunkturforschungsstelle KOF prägen Konflikte wie der Iran-Krieg sowie die US-Handelspolitik die aktuelle Lage entscheidend.
Die Abhängigkeit vom Ausland sei für die Entwicklung zentral, betont Minsch: Die Schweiz erwirtschafte rund 40 Prozent ihres Wohlstands im Ausland – instabile Situationen dort wirkten entsprechend negativ. Die unmittelbaren Effekte globaler Krisen auf die Schweiz seien bislang noch überschaubar, sagt Minsch.
Direkt betroffen sind vor allem Benzin- und Dieselpreise, Heizöl, Importwaren und Energie. Indirekt bremst die erhöhte Unsicherheit die Investitionstätigkeit – besonders bei langlebigen Gütern und Kapitalanlagen, wo die Nachfrage zurückgegangen sei. Am stärksten bekommen Konsumentinnen und Konsumenten die Turbulenzen derzeit bei Energiekosten und Importpreisen zu spüren.
Minsch verweist auf die Lage im Nahen Osten: An der Zapfsäule, bei Heizkosten und bei Importwaren stiegen die Preise vor allem wegen der Konflikte dort. Die Situation an der Straße von Hormus bleibt aus seiner Sicht kritisch: Je länger die Passage teilblockiert sei, desto stärker falle der Preisdruck aus.
Reedereien wie Maersk haben bereits Routen angepasst, Airlines wie Lufthansa reagieren auf steigende Treibstoffpreise. Gleichzeitig gerät die Industrie durch Rohstoffengpässe unter Druck. Auch der Blick auf die Handelspartner entscheidet mit über den weiteren Verlauf.
Mehr als die Hälfte der Schweizer Exporte gehen in die EU; sie bleibt mit Abstand der wichtigste Markt. Die USA folgen mit rund 18 Prozent – und sorgen aus Sicht von Minsch für zusätzliche Unsicherheit. Die US-Zollpolitik habe die Weltwirtschaft nachhaltig verunsichert, die Verlässlichkeit von Regeln sei unklar.
Studien deuten darauf hin, dass Handelskonflikte oder neue Zölle die Schweizer Wirtschaft deutlich bremsen könnten. Schweizer Unternehmen hätten sich bereits spürbar anpassen müssen; tägliche neue Anpassungen könnten zum neuen Standard werden, so Minsch. Einen Puffer sieht der Ökonom im starken Franken.
Die Währung wirke in diesem Umfeld wie ein Sicherheitsnetz, und die Schweiz könne damit umgehen. Eine starke Währung sei nicht per se nachteilig. Unter dem Strich gilt: Sollten die geopolitischen Spannungen anhalten, dürften Preissteigerungen anhalten – die weitere Entwicklung hängt wesentlich vom internationalen Umfeld, insbesondere Europa und den USA, ab.
Prognosen der Nationalbank deuten ebenfalls darauf hin, dass die Teuerung mittelfristig wieder anziehen dürfte.
