Caregiver Burn-out: Diese Warnsignale sollten Sie kennen

Millionen Menschen pflegen ihre Angehörigen zu Hause – oft bis zur völligen Erschöpfung. Eine Psychologin erklärt, warum die Belastung so hoch ist und welche Warnsignale Betroffene ernst nehmen sollten. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In Deutschland sind rund sechs Millionen Menschen pflegebedürftig – 86 Prozent davon werden laut Statistischem Bundesamt zu Hause versorgt.
In Österreich liegt der Anteil bei 75 Prozent und auch in der Schweiz widmen sich rund 600.000 Menschen der Pflege ihrer Angehörigen. Was oftmals als liebevolle Fürsorge beginnt, entwickelt sich für viele pflegende Angehörige zu einer enormen Belastung: Das sogenannte Caregiver Burn-out – ein Burn-out durch die Pflege anderer – betrifft laut einer US-Untersuchung über 60 Prozent aller Pflegenden.
Auch die Psychologin Jana Toppe weiß, dass psychische Belastungen bei Pflegenden eher die Regel als die Ausnahme sind. Sie leitet die Online-Beratung " ", die sich speziell auf die psychologische Beratung von pflegenden Angehörigen spezialisiert hat. "Caregiver Burn-out ist eine Kombination aus emotionaler, körperlicher und mentaler Erschöpfung", erklärt sie.
Anders als bei einem Burn-out in der Arbeitswelt würden pflegende Angehörige nicht einfach Feierabend machen oder Urlaub nehmen können. Das bedeute aber keineswegs, dass ein Burn-out aus der Arbeitswelt weniger schwierig für Betroffene sei. Dennoch: "In der Arbeitswelt haben wir andere Möglichkeiten, Grenzen zu ziehen.
In der Pflege bin ich rund um die Uhr verantwortlich." Die Warnsignale für Caregiver Burn-out entwickeln sich laut Toppe schleichend. "Das entsteht nicht innerhalb einer Woche, sondern über einen längeren Zeitraum." Zunächst funktionieren die Betroffenen gut – fast zu gut.
Sie organisieren, kümmern sich und halten durch. Doch dann schleichen sich erste Symptome ein: Schlechter Schlaf, Kopf- oder Rückenschmerzen, Reizbarkeit oder emotionale Abstumpfung gehen über in Überforderung, Hoffnungslosigkeit, innere Leere oder Vereinsamung – bis die Betroffenen schließlich körperlich und mental ausgebrannt sind.
"Irgendwann kommen sie an einen Punkt, an dem sie sich fragen: 'Wo ist eigentlich noch Raum für mich?'" Die Ergebnisse einer Umfrage der Diakonie Deutschland von Oktober 2025 unterstreichen das Ausmaß der Belastung: Drei von vier pflegenden Angehörigen gaben an, emotional belastet zu sein, 68 Prozent berichteten von psychischen Belastungen.
Etwas mehr als die Hälfte beobachtete außerdem körperliche Belastungen. Laut einer Studie des Sozialverbands Deutschland (VdK) ist zudem jeder dritte pflegende Angehörige mit der Pflegesituation extrem überfordert. Auch deshalb seien Begleiterscheinungen wie Burn-out oder Depressionen keine Seltenheit mehr.
"Die meisten Pflegenden sind weiblich. Da spielt auch die Angst vor Altersarmut eine große Rolle." Das Risiko, an einem Caregiver Burn-out zu erkranken, steigt demnach besonders bei Menschen, die allein für die Pflege verantwortlich sind. Auch komplexe Pflegesituationen wie die Betreuung von Demenzkranken erhöhen die Belastung erheblich – besonders dann, wenn es sich um einen Menschen handle, der einem nahesteht.
"Viele Menschen machen das ja aus Liebe", sagt Toppe. Das erhöhe die emotionale Belastung noch mehr: "Man schaut dabei zu, wie eine Person bei lebendigem Leib verschwindet." Noch komplexer werde die Pflegesituation, wenn sich Betroffene medizinisches Wissen aneignen und Entscheidungen treffen müssen, die sie überfordern.
Hinzu kämen auch Zukunftsängste: Viele Pflegende geben ihre Arbeit für die häusliche Pflege auf oder reduzieren auf Teilzeit. "Die meisten Pflegenden sind weiblich. Da spielt auch die Angst vor Altersarmut eine große Rolle", sagt Toppe. Besonders betroffen seien außerdem Menschen mit hohen Perfektionsansprüchen, die sich stark über Fürsorge definieren.
"Das ist überhaupt kein negatives Charaktermerkmal", sagt Toppe. "Es sind einfach sehr empathische Menschen, die sich kümmern, die dann aber in einem S…
