Cannabis: Legalisierung führte bisher nicht zu mehr Konsum

Cannabis unter der Lupe: Inspektion von getrockneten Blüten in einer Thüringer Anbauvereinigung Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Seit zwei Jahren ist Cannabis in Deutschland teilweise legalisiert.
Anders als von Kritikern befürchtet, hat das nicht zu einem sprunghaften Anstieg des Konsums geführt. Das zeigt der am Mittwoch veröffentlichte zweite Zwischenbericht des interdisziplinären Forschungsverbunds Ekocan (Evaluation des Konsumcannabisgesetzes), der damit beauftragt wurde, die Teillegalisierung wissenschaftlich zu begleiten.
Die Expertinnen und Experten hatten bereits im September 2025 einen ersten Zwischenbericht vorgelegt. Das Fazit des Projektkoordinators und Suchtforschers Jakob Manthey lautete damals: »Es passiert kurzfristig relativ wenig.« Ein sprunghafter Anstieg des Konsums oder sonstige gravierende Probleme waren zu der Zeit auch schon nicht erkennbar – folglich war von »keinem dringenden Handlungsbedarf« die Rede.
Für die aktuelle rund 200 Seiten umfassende Analyse griffen die Autoren nach eigenen Angaben auf eine Vielzahl von Primär- und Sekundärdatenquellen zurück, etwa Befragungen und Statistiken. Zudem arbeiteten sie mit zwei selbst durchgeführten Untersuchungen, unter anderem handelte es sich dabei um Befragungen von jungen Konsumentinnen und Konsumenten, Fachkräften im Bereich Suchtprävention sowie Mitgliedern von Strafverfolgungsbehörden.
Seit Einführung des Gesetzes zum Umgang mit Konsumcannabis (KCanG) im April 2024 ist Erwachsenen der Besitz bestimmter Mengen und der Anbau von bis zu drei Cannabispflanzen erlaubt. Außerdem können sich Konsumenten unter strengen Auflagen in Anbauvereinigungen zusammenschließen.
Gleichzeitig wurden die Hürden zur Verschreibung von medizinischem Cannabis gelockert. Vor allem Politiker der Parteien CDU/CSU lehnten das Gesetz mit teils drastischen Worten ab. Die Kritiker befürchteten vorwiegend ausufernden Konsum, Gesundheitsschäden, die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen sowie eine Stärkung der Organisierten Kriminalität.
In dem zweiten Zwischenbericht heißt es nun, es sei generell seit 15 Jahren eine »zunehmende Verbreitung« von Cannabis unter Erwachsenen zu beobachten. Parallel dazu hätten auch die gesundheitlichen Probleme durch den Konsum zugenommen.
Dieser Trend scheine sich auch nach der Teillegalisierung fortzusetzen, »wobei ein maßgeblicher, kurzfristiger Einfluss des KCanG auf Basis der bis jetzt zur Verfügung stehenden Daten nicht beobachtet werden konnte«.
Demnach ist auch eine weitere zentrale Befürchtung der Legalisierungskritiker bislang nicht eingetreten: »Nach den verfügbaren Informationen ist die Konsumprävalenz von Cannabis unter Jugendlichen nach der Teillegalisierung stabil oder sogar leicht rückläufig«, heißt es in dem Bericht.
Auch hat die Gesetzesänderung – anders als von Kritikern befürchtet – anscheinend nicht zu einer »Verharmlosung« von Cannabis geführt. So sei es »bislang nicht zu einem Rückgang der Risikowahrnehmung des Cannabiskonsums unter Jugendlichen gekommen – tendenziell ist das Gegenteil der Fall«.
Ein sprunghafter Anstieg von Konsumproblemen bei Minderjährigen ließ sich laut Bericht ebenso wenig beobachten. Allerdings hätten sich weniger Jugendliche in sogenannte Frühinterventionsprogramme begeben. Den Grund sehen die Expertinnen und Experten unter anderem darin, dass die Justiz Jugendliche aufgrund der Entkriminalisierung nicht mehr ohne Weiteres zur Teilnahme an solchen Programmen verpflichten kann.
Sie fordern daher eine besser koordinierte Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure im Rahmen der neuen Gesetzgebung. Und wie sieht es mit der Organisierten Kriminalität im Zusammenhang mit Cannabis aus? Immerhin sollte die Teillegalisierung den Schwarzmarkt schwächen, so ein maßgebliches Ziel.
Tatsächlich zeigt sich in dem Bericht primär eines: Es ist kompliziert. Zum einen sei es für eine abschließende Einschätzung noch »deutlich zu früh«, zum…
