"Brauche gleich einen Schnaps": Aussage zur Energiekrise überfordert Lanz

Die steigenden Benzinpreise infolge des Iran-Kriegs sorgen landesweit für Furore. Der Bundestag hat nun erste Maßnahmen gegen die deutlich gestiegenen Tankstellenpreise beschlossen. Dennoch zeigte sich Markus Lanz am Donnerstagabend aufgebracht, als es um die anhaltende Energiekrise ging.
Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist seit Jahren in Gefahr. Der Iran-Krieg löste nun auch eine schwere Energiekrise aus. Markus Lanz zeigte sich erschüttert, als Energieökonomin Claudia Kemfert ein Horrorszenario zeichnete. Derweil schien Ex-VW-Chef Herbert Diess hoffnungsvoll.
Der Krieg im Nahen Osten hat auch in Deutschland längst seine Spuren hinterlassen. Hohe Spritpreise, steigende Energiekosten - und mittendrin eine schrumpfende Wirtschaft. Markus Lanz nahm dies am Donnerstagabend zum Anlass, um über die Herausforderungen für den Industrie- und Technologiestandort Deutschland zu debattieren.
Gleichzeitig wagte der ZDF-Moderator einen gesonderten Blick auf die krisengeschüttelte Automobilbranche. "Welche Wirtschaftspolitik braucht Deutschland jetzt?", wollte Markus Lanz zu Beginn seiner Sendung wissen. Die Antwort von Ex-VW-Chef Herbert Diess überraschte, denn er sprach sich für den amerikanischen Militäreinsatz in Iran aus.
"Warum?", hakte Lanz irritiert nach. Diess erklärte: "Den Ansatz, dieses Regime zu wechseln, halte ich für außerordentlich wichtig für die Welt." Der Unternehmer ergänzte: "Ich glaube, wir waren auch noch nie so nah dran an einem Regime-Wechsel. (...) Das Regime ist so schwach wie nie (...) und wenn ein Wechsel gelänge, wäre die Welt eine andere." Diess sprach in dem Zusammenhang von einem "Wachstumsgenerator für die ganze Welt".
Eine Haltung, die Energieökonomin Claudia Kemfert nicht teilen konnte. "Aus energiewirtschaftlicher Sicht ist das wirklich eine Katastrophe, was da im Moment stattfindet", sagte sie deutlich. Kemfert fügte mit strengem Blick hinzu: "Wir sind in einer fundamentalen fossilen Energiekrise.
Und diese (...) hat dramatische Auswirkungen!" Lanz konterte fassungslos: "Nicht alles (...) jetzt auf einen Schlag, weil sonst brauche ich gleich einen Schnaps. Den wollte ich eigentlich erst nach der Sendung nehmen!" Ökonom Moritz Schularick lachte und gab Entwarnung.
Er erläuterte, dass wir von Corona-"Horrorszenarien" aktuell "noch weit entfernt" seien. Lanz lenkte den Blick schließlich auf die angestrebte fossile Unabhängigkeit Deutschlands. "Ist das gerade ein großes Comeback für Erneuerbare?", wollte er wissen. Claudia Kemfert nickte: "Ich hoffe!
(...) Was brauchen wir denn noch, wie viele Weckrufe?" Auch Wirtschaftsexperte Andreas Peichl sagte: "Jede Krise bietet eine Chance und das ist eben jetzt die Chance, da mehr zu machen." Herbert Diess stimmte zu und bemängelte, dass "diese Erneuerbaren" in Deutschland "immer noch ein bisschen diskreditiert" würden - und das, obwohl sie mittlerweile "so wettbewerbsfähig wie keine andere Energieform" seien.
Und: "Man kann sie einfach in Deutschland (...) produzieren." Moritz Schularick gab derweil zu bedenken, dass Deutschland in vielen anderen Bereichen hinterherhinke. "Bei den Batterie-Technologien, (...) Robotik, KI - da sind wir inzwischen Entwicklungsland relativ zu China", so Schularick.
Lanz fragte erschüttert: "Wirklich? Sind die so weit vorne?" Schularick erklärte: "Die Entwicklung von neuen Autos, neuen Technologien, findet heute in China statt." Herbert Diess ließ dies nicht unkommentiert und forderte: "Wenn wir den Mut haben unternehmerisch, dann kann man wieder ins Spiel kommen, wenn man will.
Und Deutschland hat die Grundfähigkeiten dafür. (...) Wir müssen uns trauen! Wir müssen uns mehr auf die neuen Themen konzentrieren und die alten dann auch mal loslassen.
Und dann den Benzinpreis auch mal hochgehen lassen und (...) schneller auf die neuen Technologien wechseln." Mit Blick auf die deutsche Autoindustrie sagte der Ex-VW-Chef abschließend: "Die Diskussion, jetzt die Industrie abzuschreiben, halte ich für viel zu früh." Lanz reagierte begeiste…
