Bio-Umsätze steigen zum Jahresstart 2026 um 6 Prozent – Robustheit des Trends bleibt abzuwarten

Der Markt für Bio-Lebensmittel in Deutschland ist mit deutlichem Schwung ins Jahr 2026 gegangen. Von Januar bis Ende März stieg der Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal 2025 um 6 Prozent auf 4,91 Milliarden Euro, wie aus neuen Zahlen des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hervorgeht.
Ein Großteil des Geschäfts entfällt weiterhin auf Discounter und Supermärkte, während Drogeriemärkte kräftig zulegten. In der Vertriebsschiene führen Discounter mit einem Anteil von 30 Prozent knapp vor Supermärkten mit 29 Prozent. Treiber waren erneut die Bio-Eigenmarken des Handels, deren Umsatz um 12,5 Prozent zunahm.
Der Naturkostfachhandel wuchs um 1,1 Prozent auf 840 Millionen Euro und erreicht einen Marktanteil von 17 Prozent. Drogeriemärkte kommen nach einem Bio-Umsatzplus von 14 Prozent im ersten Quartal auf knapp 13 Prozent. Die restlichen Marktanteile verteilen sich auf E-Commerce-Angebote mit Lieferdiensten und Onlineshops (5 Prozent) sowie auf Hofläden, Bäckereien, Metzgereien, Wochenmärkte und Tankstellen.
Bei den Produktgruppen verzeichneten Fleischersatzprodukte, Mehl, Süßwaren, Eis, Tiefkühlkost, Feinkost, Fertigprodukte, Heißgetränke und Backwaren deutliche Umsatzzuwächse. Der Umsatz mit Bier und Spirituosen ging hingegen deutlich zurück. Bei frischen Eiern und Fleisch resultierten Zuwächse vor allem aus Preiserhöhungen, während Butter, Brot und Kartoffeln Rückgänge verbuchten.
Die Datenreihe hat der Bio-Spitzenverband BÖLW erstmals gemeinsam mit der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft als aktuelle Quartalsstatistik vorgelegt; die Auswertung basiert auf Angaben von vier Marktforschungsinstituten. Für den Vergleich mit dem ersten Quartal 2025 wurden deren damalige Marktdaten herangezogen.
„Bio bleibt auch in Krisenzeiten eine Wachstumsbranche“, sagte BÖLW-Verbandschefin Tina Andres. Angesichts der weltpolitischen Lage sei der Trend nicht nur gut für die Umwelt, sondern stärke auch die Versorgungssicherheit. „Die derzeitige Preisexplosion bei Düngemitteln tangiert Bio-Landwirte nicht“, so Andres.
Die Branche knüpft damit an ihren Wachstumskurs an. Zugleich gilt angesichts der angespannteren Wirtschaftslage infolge des Iran-Kriegs mit Preissprüngen, etwa an den Tankstellen, als offen, wie robust die Entwicklung bleibt. Im Gesamtjahr 2025 war der Bio-Umsatz mit Lebensmitteln und Getränken um 6,7 Prozent auf die Rekordhöhe von 18,23 Milliarden Euro gestiegen.
Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt liegt nun bei 6,5 Prozent. Der BÖLW rief Politik in Berlin und Brüssel auf, in der EU-Agrarfinanzierung zusätzliche Anreize für die Umstellung auf Ökolandbau zu schaffen. „Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden sich für eine Lebensmittelwirtschaft, die mit der Natur arbeitet, ohne chemisch-synthetische Pestizide und ohne Kunstdünger“, sagte Andres.
Zwar wächst die Nachfrage nach den meist teureren Öko-Produkten seit Jahren – mit einem Dämpfer 2022 aufgrund hoher Inflation –, doch die heimische Produktion bleibt hinterher. Nach Angaben des Bauernverbands war die Umstellungsbereitschaft in der Landwirtschaft 2025 erneut äußerst verhalten.
Laut Bundesagrarministerium wurden 2024 11,5 Prozent der Agrarfläche ökologisch bewirtschaftet, nach 11,4 Prozent im Jahr 2023. Das Ziel eines Bio-Anteils von 30 Prozent bis 2030, das die Ampel-Koalition einst aufgestellt hatte, bleibt damit weit entfernt. Die Zahl der Öko-Betriebe sank 2024 um 2,2 Prozent auf 35.881.
Für die kommenden Monate blickt die Branche auf die Kaufkraftentwicklung und mögliche politische Weichenstellungen. Ob der Rückenwind für Bio trotz wirtschaftlicher Belastungen anhält, dürfte sich im weiteren Jahresverlauf zeigen.
