Bildungsreform in Stuttgart: Stadt plant zwei zusätzliche Realschulen und Abschied von der Werkrealschule

Stuttgart stellt seine Schullandschaft neu auf: Im Zuge der Bildungsreform will sich die Stadt schrittweise von der Werkrealschule verabschieden und mindestens zwei Standorte in Realschulen umwandeln. Die Bismarckschule steht bereits als neuer Realschulstandort fest.
Perspektivisch würde die Zahl der Realschulen damit von derzeit 15 auf 17 steigen. Die Stadtverwaltung präsentierte die Pläne im Schulbeirat und versuchte, Aufbruchstimmung zu vermitteln. Man wolle nicht nur Mängel verwalten, sondern das neue Schulgesetz als Chance begreifen, sagte Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer.
Stuttgart habe „die Chance, Vorreiter zu werden“, betonte sie. Fezer reagierte damit auch auf den Bericht des geschäftsführenden Schulleiters Gerhard Menrad, den derzeit vor allem aus Realschulen „viele Bedenken“ und „Sorgen“ erreichen. Kern der Umgestaltung ist, die Werkrealschule zum Auslaufmodell zu machen und Real- sowie Gemeinschaftsschulen zu stärken.
Neben den geplanten Umwandlungen sollen die übrigen Grund- und Werkrealschulen zu reinen Grundschulen werden. Allerdings sind die Planungen noch nicht endgültig: Ergebnisse aus Gesprächen in den Bezirken sind teils noch nicht eingearbeitet. Besonders die Grund- und Werkrealschule in Wangen wird erneut geprüft – sie ist die einzige weiterführende Schule im Bezirk, entsprechend groß ist dort die Sorge.
Fezer sagte zu, diesen Fall „nochmal genauer“ anzusehen. Der Handlungsdruck ist hoch. Für das neue Schuljahr wurden in Stuttgart nur noch 138 Schülerinnen und Schüler für die Werkrealschule angemeldet – ein Rückgang um 23,8 Prozent. Drei der sieben Werkrealschulen verzeichnen laut Stadt weniger als 16 Anmeldungen und unterschreiten damit die Mindestschülerzahl; sie können keine Eingangsklasse bilden.
Dass neue Schülerinnen und Schüler an der Werkrealschule nur noch den Hauptschulabschluss erwerben können, wirkt sich deutlich aus. Schon zuvor wechselte laut Schulverwaltungsamt nur eine Minderheit der Viertklässler mit entsprechender Empfehlung auf diese Schulart; im Schuljahr 2023/24 waren es 16,4 Prozent.
Fezer rechnet mit weiteren „Erosionsprozessen“, kündigte aber Unterstützung für die Werkrealschulen an: Deren Begleitung sei „ein zentraler Punkt“. Das Referat geht davon aus, dass wegen der sinkenden Nachfrage mehr Plätze an Gemeinschaftsschulen und Realschulen benötigt werden – und dass diese pädagogisch gestärkt werden müssen, um der bisherigen Schülerschaft der Werkrealschulen gerecht zu werden.
Man habe auch einen qualitativen Anspruch, sagte Schulverwaltungsamtsleiterin Kerstin Niendorf. Neben der Sekundarstufe I betrifft die Reform auch die Gymnasien, die künftig wieder neunjährig sein sollen. Für Stuttgart steht damit eine umfassende Neuordnung an.
Über weitere Umwandlungen und Standorte will die Stadt nach Abschluss der Bezirksgespräche entscheiden.
