BIBB-Datenreport 2026: Weniger Ausbildungsverträge, mehr unversorgte Bewerber – Fokus auf KI

Der Ausbildungsmarkt in Deutschland steht unter Druck: Der Datenreport 2026 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) verzeichnet rückläufige Vertragszahlen und deutlich mehr unversorgte Bewerberinnen und Bewerber.
Der Report ergänzt den Berufsbildungsbericht der Bundesregierung, der am heutigen Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedet und vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) veröffentlicht worden ist. Nach BIBB-Erhebungen wurden zum 30.
September 2025 bundesweit rund 476.000 neue duale Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 10.300 weniger als 2024, ein Minus von 2,1 Prozent. Damit setzte sich die Erholung nach dem coronabedingten Einbruch 2020, die in den Jahren 2021 bis 2023 zu steigenden Vertragszahlen geführt hatte, im zweiten Jahr in Folge nicht fort.
Gleichzeitig stieg die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten jungen Menschen, die zum Stichtag noch eine Ausbildungsstelle suchten. Die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber – also ohne Ausbildung und ohne Alternative – wuchs im Vorjahresvergleich um 8.700 (+28,0 Prozent) auf 39.900 und erreichte damit den höchsten Stand seit 2007.
Weitere 44.500 Personen hatten zwar eine Alternative, wünschten aber weiterhin eine Vermittlung in Ausbildung (+5.300 beziehungsweise +13,4 Prozent). Insgesamt waren somit 84.400 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, 14.000 mehr als ein Jahr zuvor (+19,9 Prozent).
Auch strukturell bleibt die Lage angespannt. BIBB-Berechnungen auf Basis des Mikrozensus zeigen, dass 2024 weiterhin 18,8 Prozent der 20- bis 34-Jährigen keinen Berufsabschluss hatten (2023: 19,0 Prozent). Hochgerechnet entsprach dies 2,76 Millionen nicht formal qualifizierten jungen Erwachsenen (2023: 2,79 Millionen).
BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser mahnt vor diesem Hintergrund Reformen an. Angebote der beruflichen Bildung müssten zielgenauer an den Lernvoraussetzungen der Menschen ausgerichtet werden, die in Aus- und Weiterbildung gebracht werden sollen.
Als konkrete Hebel nannte er modular anschlussfähige Qualifizierungsstrukturen, bessere Übergänge, Ausbildungsbausteine und geförderte Teilqualifikationen auch für Unter-25-Jährige, wenn die Instrumente der Ausbildungsgarantie keinen vollqualifizierenden Weg eröffnet haben.
Zudem plädierte er für eine stärkere Verzahnung von Aus- und Weiterbildung, die Aufwertung der höheren Berufsbildung sowie die systematische Förderung von Schlüsselqualifikationen als Zukunftskompetenzen, um das System resilienter und zukunftsfähiger zu machen.
Leitprinzip müsse die Bereitschaft zur Veränderung auf Grundlage des Berufsprinzips sein, um auf Unsicherheiten, Krisen und künftige Herausforderungen reagieren zu können. Das Schwerpunktkapitel des Datenreports widmet sich in diesem Jahr der „Künstlichen Intelligenz in der Berufsbildung“.
Die Beiträge beleuchten sowohl die langfristige Durchdringung der Arbeitswelt durch KI-Technologien als auch die jüngere, von generativen Systemen geprägte Umbruchphase mit veränderten Nutzungspraktiken und Erwartungen.
