Berner Paar unterstützt in Südafrika Frauen nach Gewalt mit Ausbildung und Arbeit

Ein Berner Paar setzt in Südafrika ein klares Zeichen gegen geschlechtsspezifische Gewalt und Ausbeutung: Sabine (30) und Damian (30) unterstützen in Kapstadt Frauen, die Gewalt erlebt haben oder Opfer von Menschenhandel wurden – mit kostenloser Ausbildung, einem sicheren Arbeitsplatz und Begleitung in der mentalen Gesundheit sowie beruflichen Entwicklung.
Sabines Weg nach Südafrika begann, noch bevor die Beziehung der beiden richtig offiziell war. Vier Tage vor ihrem Visumsantrag lernten sich Sabine und Damian kennen. Sie blieben in Kontakt, trotz Distanz: Sie ging wie geplant ins Ausland, er blieb zunächst in der Schweiz, mitten im Studium.
Sechs Monate Fernbeziehung später und nach dem ersten Besuch in Kapstadt – im dortigen Winter, als kaum Touristinnen und Touristen da waren – verlobten sie sich. „Es hat sich enorm gut angefühlt“, sagt Damian über den Moment, in dem für beide klar wurde, dass sie mehr wollen.
In Kapstadt fand Sabine den beruflichen Zugang, den sie suchte. Ein einschneidendes Erlebnis in der Nähe ihrer Universität – eine vergewaltigte und ermordete Frau und die folgenden Proteste in der Stadt – hatte sie in die Arbeit gegen Gewalt an Frauen geführt.
Vor Ort übernahm sie sozialarbeiterische Aufgaben. Damian stieg bei dem Sozialunternehmen Not I But We ein, zunächst nur vorübergehend, dann dauerhaft. Die Frauen fertigen dort Taschen, Kleidung und Accessoires; wichtiger als die Produktion sei jedoch, so Damian, die Würde und wirtschaftliche Unabhängigkeit, die das Programm ermöglichen soll.
Der Bedarf ist gross. „In Südafrika gilt geschlechtsspezifische Gewalt als nationales Desaster“, sagt der 30-Jährige. Schätzungen zufolge ist jede dritte Frau betroffen. Zugleich ist das Land ein zentraler Knotenpunkt für Menschenhandel. Entsprechend intensiv ist der Alltag im Projekt.
„Man weiss nie, was einen erwartet“, sagt Damian. Es komme vor, dass Frauen morgens zur Arbeit erscheinen und kurz zuvor Gewalt erlebt haben. „Das sind keine Geschichten, das ist Realität.“ Als Mann in einem Umfeld zu arbeiten, in dem viele Frauen durch Männer traumatisiert wurden, verlange ihm viel ab: Er denke oft darüber nach, wozu Männer fähig seien – und spüre dabei auch Wut.
Aktuell arbeiten neun Frauen im Projekt. Noch in diesem Jahr sollen es bis zu 20 werden; vier neue Teilnehmerinnen starten bereits im nächsten Trainingsdurchgang. Die Frauen kommen über Partnerorganisationen und Schutzhäuser, Bewerbungen werden vermittelt, sobald Plätze frei sind.
Finanziell bleibt die Arbeit ein Balanceakt. Sabine und Damian erhalten keinen Lohn und leben von Unterstützern aus der Schweiz. Das Projekt selbst trägt sich laut Damian etwa zur Hälfte über den Verkauf der Produkte, die andere Hälfte kommt aus Fundraising. „Anfangs war es herausfordernd“, sagt er.
„Aber es funktioniert seit zwei Jahren – und man lernt, darauf zu vertrauen.“ Die Mitarbeiterinnen verdienen derzeit rund das Doppelte des lokalen Mindestlohns. Für das Paar steht fest, dass es bei Not I But We nicht nur um handwerkliche Fähigkeiten geht, sondern um Perspektiven.
Die Verbindung aus Ausbildung, psychologischer Unterstützung und fair bezahlter Arbeit soll den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben ebnen – Schritt für Schritt, in einem Umfeld, das Sicherheit bietet.
